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Es entspricht der allgemeinen Ansidit, daß die Beziehungen zwischen Erotik und Mathematik negativ seien, und man führt neben dem charakteristischen Merkmale der reinsten Abstraktheit dieses Wissenszweiges zur Stichhältigkeit dieser Meinung einzelne mathematische Genies, wie Newton an, in deren Leben der Liebe und der Sinnlichkeit auch nicht der kleinste Raum gegönnt gewesen sein soll. Abgesehen davon, daß auch bei den großen Mathematikern eine vollständige Asexualität einen Ausnahmefall bedeutet, daß ferner, wie wir längst wissen, kein anderer Trieb einer so hohen Sublimierung fähig ist wie der Sexualtrieb, so liegt es überdies nicht in meiner Absicht, das Leben mathematischer Genies nach ihrem erotisch-sexuellen Fühlen zu durchforschen. Ich möchte in dieser kleinen Arbeit nur nachweisen, welch breiter Raum diesem Momente in den mathematischen Betrachtungen im Altertume, im Mittelalter und sogar noch tief hinein in die Tage der Renaissance zukam; ich möchte dies aufzeigen an einem Material, das sich mir während der Vorarbeiten zu einer mathematischen Abhandlung ungesucht in Fülle darbot.
Zurückgreifend auf die frühesten Spuren mathematischer Tätigekeit bei den Völkern des Altertums finden wir, daß der Zahl als solcher eine besondere Rolle nicht allein im Geistes-, sondern auch im Gemütsleben zukommt. Ursprünglich wurde der Zahlbegriff tropisch ausgedrückt. Die Ägypter besaßen eine Gewichtseinheit, die durch das Zeichen des Geiers, des Symbols der Mütterlichkeit dargestellt wurde, weil die Einheit1 als Mutter und Ursprung aller Zahlen galt, freilich ohne selbst eine Zahl zu bedeuten. Jahrhunderte lang vererbt sich die Auffassung fort, die Einheit zwar als Anfang und Quelle aller Zahlen, doch nicht selbst als Zahl anzuerkennen, und Aristoteles wie Nikomachus halten an ihr fest. Theon von Smyrna spricht diesen Gedanken klar aus in den Worten: »οὔτε δὲ ἡ μονàϛ ἀϱιϑμὸϛ, ἀλλà ἀϱχὴ ἀϱιϑμοῦ.« Wenn er daneben doch auf die Eins als ungerade Zahl anführt und die Einheit eine un