You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Fragment, in welchem Schiller zu seinem einzigen Versuch einer größeren, nicht im Boden der Historie, sondern in der eigenen Phantasie wurzelnden Prosa-Erzählung ausholte, ist durch seine Entstehungsweise und seine Komposition ebenso merkwürdig, wie durch die Aufnahme, die es gefunden hat. Den Zeitgenossen schien kaum ein anderes Produkt seines poetischen Schaffens gleich anziehend und beachtenswert. Der Beifall des großen Publikums war so lebhaft, daß der Dichter die Fortsetzung des Romans als sichere Geldquelle und als Grundlage für die Beliebtheit der »Rheinischen Thalia«, in der die Veröffentlichung begonnen hatte, betrachten konnte, auch ernste Kritiker, Literaten und Philosophen, bei denen weder »Kabale und Liebe« noch »Fiesco« oder »Die Räuber« Beifall gefunden hatten, belobten das Werk aufs höchste und ermunterten den Autor zur Fortführung. Als sich dieser der ihm verhaßt gewordenen Arbeit endgiltig weigerte, fand sich eine ganze Anzahl von Schriftstellern, die den angefangenen Bau nach eigenem Gutdünken zu vollenden suchten. Eine dieser Fortsetzungen, von dem preußischen Hofgerichtsrat Follenius herstammend, hat ein Stück von der Beliebtheit des Originals auf sich herüberzuziehen gewußt, wie die wiederholten Aurlagen bezeugen. So trefflich hatte es Schiller verstanden, sein Werk auf die stärksten Interessen im Geistesleben seiner Zeitgenossen aufzubauen und ihre Phantasie bis zur mitschöpferischen Tätigkeit anzuregen.
Das Urteil der Literarhistoriker, die in Schiller nicht mehr den problematischen Himmelstürmer, sondern den unantastbar gewordenen »Klassiker« sehen, ist sonderbarerweise viel kälter und ablehnender ausgefallen. Sie haben alle für den »Geisterseher« wenig übrig, betrachten ihn nur im Vorbeigehen und ziemlich von oben herab. Offener Tadel wechselt mit kühlem Lob; die Lust, das Werk bis ins kleinste Detail zu ergründen, seinem Aufbau und den Ursachen