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Ein Werk über Ödipus wird selbst dann für Analytiker von Interesse sein, wenn es wie das von C. Robert zunächst nichts anderes ist, als in weitem Sinn gefaßte philologische Interpretation. Ist ja doch die geisteswissenschaftliche Psychanalyse schon seit einiger Zeit auf dem Wege, das bloß stoffliche Interesse zu überwinden und damit das Gebiet ihrer Untersuchungen, das bei der geringen Zahl der menschlichen Urmotive leicht zur Eintönigkeit führen könnte, nicht nur nach der Breite, sondern auch nach der Tiefe zu erweitern.
Das Buch Roberts verfolgt den Stoff des Mythus im griechischen Epos und Drama wie bei den Mythographen; die Archäologie wird nur vergleichsweise herangezogen. Insofern ist es keine im eigentlichen Sinn mythologische Untersuchung, doch wird dem Hauptteil des Werkes, den neueren Grundsätzen der Sagen- und Mythenforschung entsprechend, eine Untersuchung über die Kultstätten vorausgeschickt. Als solche erscheinen Eteonos, Sparta und Attika 〈Athen und Kolonos〉. In Attika ist der Kult des Heros sehr jung, in Sparta wurde er durch ein noch namentlich bekanntes Geschlecht eingeführt, nur Eteonos an der Grenze von Böotien und Attika zeigt uns einen Mythus und Kultus von altertümlichster Bedeutung. Ödipus tritt dort auf in Verbindung mit der Erdmutter Demeter, als ihr Schützling, der in ihrem Heiligtum seine letzte Ruhestätte findet. Es ist eine der schönsten und überzeugendsten Analysen in Roberts Buch, wenn er zeigt, daß Ödipus ursprünglich der Sohn der Erdmutter gewesen ist und daß die bleibendsten Züge dieser mythischen Gestalt, seine Mutterehe und seine Leiden, ihre Erklärung in dieser seiner Eigenschaft als Sohn der Erdmutter finden, deren Söhne auch ihre Gatten seien 〈p. 44 bis 46; die wichtigsten Stellen erscheinen in meiner Abhandlung über Ödipus auf Kolonos im 1. Heft dieses Bandes ausgeschrieben〉.
An verwandte Vorgänge in der Sagengeschichte und im Traumleben erinnert es uns, wenn dargelegt wird, wie dieses Demeterkind von Eteonos einen menschlichen