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In den Selbstbiographien echter Dichter finden wir dank deren Jintuitiver von Jugend auf geübter Selbstanaiyse fast regelmäßig Bestätigungen unserer psychoanalytischen, erfahrungsgemäß erworbenen Anschauungen über die Entwiddung einer psychischen Persönlichkeit. Eigenartige Färbung enthält das Bild der Entwicklung einer Dichterpsyche bekanntlich durch ein starkes kindliches Erleben der Ödipus Einstellung und das Überwuchern phantastischer agträume, die wohl mit der dem Ödipuskomplex angehörenden unstillbaren Sehnsucht im Zusammenhang steht. Wir wissen, daß eine starke Vaterpersönlichkeit neben einer zarten leidenden oder früh dahingehenden Mutterfigur der Phantasie das beste Material geben.
Im Kampfe gegen den Vater und für die Mutter siegt das Verweigern pünktlicher Pflichtarbeit und bürgerlicher Berufswahl. An der Seite der unterdrückten Weiblichkeit nimmt der Knabe teil an deren Trostgewinnen durch Gedankenentschädigung und Gefühlsexzeß und an der Flucht vor dem männlichen väterlichen Tyrannen.
Konnte ich dieses beschriebene Verhältnis an dem Erstlingswerke Jakob Wassermanns1 als Inhalt der Dichtung, respektive der Phantasie des dichtenden Jünglings erweisen, so gibt mir Max Dauthendeys Werk »Der Geist meines Vaters«2 eine schöne autobiographische Darstellung analoger Einstellungen voll interessanter Details in die Hand.
Jahrelang nach dem Tode des Vaters geht der berühmt gewordene weitgereiste Dichter, nachdem er sich in der Vaterstadt wieder niedergelassen, daran, seinem Vater in seinem Buche ein Denkmal zu setzen. Dieser Vater war ein angesehener Mann gewesen, hatte die Daguerrotypie in Deutschland eingeführt, war später in Petersburg reich geworden und arbeitete auch wissenschaftlich auf dem Gebiete der Photographie. Von ursprünglicher technischer Begabung, war er ein aufrechter, nüchterner, unabhängiger Mann der Wissenschaft, der vor der Natur und den Meisterwerken der Technik gläubig niedersank, aber zeitlebens gänzlich amusisch, ohne Verhältnis zur Kunst blie