You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Wer in aufnahmsfähiger, empfänglicher Gemütstimmung eine Sammlung ägyptischer Altertümer durchschreitet, wird beim Anblick der in hieratischen Gleichmut thronenden Kolossalstatuen gewiß noch etwas mehr empfinden, als archäologisches oder kunsthistorisches Interesse. Das Gefühl des Rätselhaften wird ihn erfassen und in seinen Bann ziehen, mag ihm sein geläuterter Geschmack auch sagen, daß hinter der Steifheit der Bewegung und der Ausdruckslosigkeit der Züge keine geheime Bedeutung, stecke, sondern nur eine zur Schablone gewordene künstlerische Tradition. Gleichwohl werden wir ihm gegen seinen Geschmack recht geben, wenn wir das Rätsel auch zunächst nicht in jenen Geschmack recht geben, wenn wir das Rätsel auch zunächst nicht in jenen Bildsäulen, sondern in ihm selber finden — eine Rätselstimmung, die ihn ergreift, weil Erinnerungen, die seinem bewußten Denken fremd und unheimlich sind, ihre Schatten über ihn werfen und ein Stuck seiner eigenen Seele zweideutig und rätselhaft erscheinen lassen.
Was gibt diesen Figuren die Macht, wenn auch nur für Augenblicke eine dunkle Empfindung von Angst und Zweifel zu erwecken, die ihrer starren Eindeutigkeit völlig fremd zu sein scheint?
Die Antwort wird dem Psychoanalytiker nicht schwer fallen. Diese Königsbilder sind Vatergestalten, die aus menschlicher Urzeit stammend, den Beschauer leicht in die eigene Urzeit zurückführen. Sie sprechen nicht in dem durch Wahrscheinlichkeitsrücksichten und Vernunftbedenken beeinflußten Dialekt zeitgenössischer Kunst, sondern stehen der echten, alten, niemals völlig zu vergessenden Kindersprache nahe.
Ein Dichter, auf den dieser Eindruck offenbar besonders stark wirkte, hat es unternommen, ihn gestaltend zu deuten, er hat seine Empfindungen sozusagen rückübersetzt, indem er sich von der durch solchen Anblick angeregten Phantasie in die Entstehungszeit des Bildes des Königs Ramses II. entführen ließ, so daß der alte, verdrängte Konflikt sich als neues, eben eintretendes Ereignis vor seinen und unse