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In diesem Drama hat das «In tyrannos», das als Motto über so vielen Erstlingswerken stehen könnte, seine ursprüngliche Bedeutung, aus der es den nie alternden Affektwert schöpft, uneingeschränkt und unverhüllt beibehalten. Das Thema ist die Auflehnung des Sohnes, der Kampf gegen den äußeren Zwang und den geistigen Druck der väterlichen Autorität, die Abschüttelung des Joches, das offene, feindselige Gegenübertreten
und die schließliche Überwindung des Vaters, der ins Grab sinkend dem Jüngling die ersehnte Freiheit lassen muß. Überflüssig zu sagen, daß der Dichter mit all seinen Sympathien auf seiten des Sohnes steht; trotzdem hat er es vermieden, das Bild des Konfliktes zu verzerren und einen in völliger Lieblosigkeit verhärteten, bösen und grausamen Vater zu schildern. Nicht daß Väter durdi allzugroße Strenge das Leben ihrer Söhne verdüstern können, wird gezeigt, sondern jener allgemeinmenschliche Konflikt, der zwischen Vater und Sohn nie völlig ausbleibt, der jedem Sohn einmal die Nähe des Vaters verhaßt, seinen Tod ein ersehntes Ziel werden läßt. Der Dichter macht nur von seinem Vorrecht der Gestaltung Gebrauch, wenn er den Wünschen, die in der Seele unbewußt, von den herrsehenden Mächten verdrängt und kaum je ohne die Gegenströmung innigster Zärtlichkeit vorhanden sind, die grelle Beleuchtung des Bewußtseins und die Plastik wirklichen Geschehens gibt. Der Fall, daß ein sanfter, zärtlichkeitsbedürftiger Jüngling die Waffe gegen den Vater erhebt, ist gewiß nicht typisch, wohl aber die seelischen Triebkräfte, die ihn hervor bringen. Tiefes an die Oberfläche bringen, Verworrenes schlichten, Widersprechendes ausscheiden, das sind die Mittel, um aus dem ewig wiederkehrenden Material ewig neue Gestalten und Motive zu schaffen. Merkwürdig ist nur, daß hier wie die Verzerrung auch jede Verhüllung verschmäht wurde. In so vielen anderen Sohnes Dramen wird ein Nebenmotiv in den Vordergrund gestellt; selbst in dem bis an die Grenze der Aufrichtigkeit gehenden «Don Carlos» —