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Seit sich die psychoanalytische Wissenschaft, unter dem Vorgang Freuds, der Erforschung der totemistischen und tabuistischen Phänomene zugewandt hat, sind in der psydhoanalytischen Literatur mehrfach Fälle von sogenanntem »individuellen Totemismus« mitgeteilt worden, zuletzt meines Wissens von Abraham in seiner Arbeit »Ober Einschränkungen und Umwandlungen der Schaulust« 〈Jahrbuch 1914〉. Unter anderem bespricht Abraham dort den Fall eines Psychoneurotikers, welcher, in Träumen wie in Wachphantasien, die Erscheinungen eines ausgesprochenen Baumtotemismus bot.
Über ein Gegenstück hiezu, ein analoges Gebilde aus dem Gebiet der dichterischen Produktion, möchte ich im folgenden Näheres berichten. Ein solches fand ich in der Erzählung des früher viel gelesenen, jetzt wohl wenig mehr bekannten österreichischen Schriftstellers Karl Postl 〈Charles Sealsfild〉 »Die Prärie am Jaeinto«, einem selbständigen Fragment aus des Dichters Roman »Das Kajütenbuch«. — Dies Phantasiestück, äußerlich betrachtet nichts weiter als die Schilderung eines Reiseabenteuers, erweist sich bei näherer Musterung als eine symbolische Darstellung unbewußten Erlebens, eben in jener eigenartigen, an den Pflanzentotemismus der Primitiven gemahnenden Form; dabei ist besonders bemerkenswert, daß die Dichtung ihre totemistische Symbolik gleichsam selbst kommentiert, insofern ihr sonstiger Inhalt auf diejenigen infantilen Tendenzen und Einstellungen, in denen die Psychoanalyse die Wurzeln totemistischer Bildungen vermutet, mit unverkennbarer Deutlichkeit hinweist. - Gerade wegen letzterer Eigenheit, vermöge deren die Dichtung zur Verifikation der psychoanalytischen Hypothese über den Ursprung des Totemismus beiträgt, möchte ich sie im folgenden in extenso wiedergeben, es dürfte jedoch, da die Erzählung an eine bestimmte Episode in des Dichters Leben anknüpft, und auch sonst Züge aus dessen realen Erleben verwertet, zweckmäßig sein, einige Daten aus der Biographie des Autors voranzustellen.
Nach der mir vorliegen