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Die vorliegende Abhandlung versucht es einer Forderung nachzukommen, welche der bekannte Shakespeare-Forscher Gervinus in nachstehender Weise formuliert: ». …. ließe sich zwischen Beidem, Shakespeares innerem Leben und seiner Dichtung, auch nur mit wenigen sprechenden Zügen eine Brücke bauen, ein Verhältnis zeigen, welches erwiese, daß bei Shakespeare wie bei jeder reichen Dichternatur nicht äußere Schule und poetische Konvenienz, sondern innere Erlebnisse und Bewegungen des Gemütes der tiefe Quell seiner Dichtung waren, — dann erst würde wahrhaft erreicht sein, was uns unseren Liebling recht nahe stellen würde: wir würden die Summe seiner persönlichen Existenz ziehen, ein volles Bild, eine lebensvolle Anschauung von der Gestalt dieses Geistes gewinnen können.«
Gemessen aber an diesem in seiner Richtigkeit wohl kaum anzuzweifelnden Postulat muß zugestanden werden, daß uns die bisherigen Macbeth-Untersuchungen dies psychologische Problem kaum irgendwie aufgeklärt haben. Denn z. B. aus der das Ehrgeizmotiv weit hintansetzenden Auffassung Ulricis', dem Drama liege »ein allgemeiner Gesichtspunkt, nämlich das Verhältnis zwischen der Außenwelt und der menschlichen Willens- und Tatkraft« zugrunde, können wir ein »inneres Erlebnis« Shakespeares ebensowenig konkret erschließen, wie aus den Erläuterungen der übrigen Autoren, die die Verwicklungen der Tragödie und die Charaktergestaltungen ihrer Helden meistens als durah den Konflikt zwischen deren Ehrgeiz und Gewissen gegeben, annehmen.
Nicht als ob wir damit sagen wollten, der seelischen Klaviatur des Dichters habe der Ehrgeiz gefehlt; wir erwarten im Gegenteile mit Bestimmtheit, nach einer genauen Analyse auch diesem, durah die Worte Macbeths und der Lady übrigens so deutlich betontem seelischem Element, zu begegnen. Wir bestreiten lediglich die ihm für gewöhnlich eingeräumte zentrale Stellung im psychologischen Gefüge der Handlung. Und zwar nicht etwa allein aus der Erwägung heraus, daß zur Zeit der Schöpfung des »Macbeth« d