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Auch die hartnäckigsten Leugner der infantilen Sexualität sprechen der eigentlichen Jugendzeit, dem Lebensabschnitt etwa vom zwölften bis zum zwanzigsten Jahr, eine der erwachsenen ähnliche Sexualität zu. Zwar über Maß, Art und Bedeutung dieses Triebes in der Pubertät und Nachpubertät sind die Meinungen geteilt, aber es ist geradezu das theoretische Dogma, daß mit der Pubertät der Geschlechtstrieb erwache und in ihrem Verlauf immer mächtiger und bestimmter werde. Merkwürdigerweise bleibt aber in der Praxis des Erziehungswesens, in der Schule so gut wie im Hause, diese theoretische Überzeugung völlig wirkungslos. Auch die Jugenderziehung ist, wie die Kindererziehung, so organisiert, als wären ihre Objekte gänzlich asexuelle Wesen. Wo sich dies Thema jedoch nicht gut ganz übersehen läßt, im Problem der Koedukation und der sexuellen Pädagogik, da ist der Weisheit letzter Schluß: Verhindern, daß die Jugend geschlechtlich erregt werde; Erzeugung der Askese. Die Jugend hat sich zu keiner Zeit an die Forderungen der Erwachsenen gehalten, sondern im geheimen ihrem Trieb gegeben, was ihm gebührt. Sie behandelte die verantwortlichen Hüter als nicht kompetent in dieser Frage, ließ sie uneingeweiht und harmlos und kümmerte sich im übrigen kaum um ihre Lehren 〈wo dies aber doch geschah, erzeugten sich oft neurotische Erkrankungen〉. Die Sexualität der Jugend blieb so gewissermaßen von der Gesellschaft verdrängt, und darum — ganz so wie die verdrängten Triebe der Individuen — völlig unbeherrscht. Es ist ein Verdienst der Jugend von 1880-1890 hierin eine Revolution gebracht zu haben. Bis dahin fühlten sich einzelne der Jugend durch das Sexualmonopol der Erwachsenen bedrängt, verkürzt oder verwirrt und kämpften dagegen: nun aber fühlten sie sich als Jugend mißverstanden und entwertet und begannen das Recht der jugendlichen Sexualität zu fordern. Zunächst freilich, so scheint es, war ihr Bemühen, die Alten in ihren Forderungen ad absurdum zu führen. Sie stellten sich gehorsam und ver