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Unter allen Künsten ist die Musik die populärste, diejenige, die den meisten Menschen, oder genauer ausgedrückt, mehr Menschen Genuß bereitet, als jede andere. Man müßte danach annehmen, daß zu ihrem Verständnis keine besondere Teilbegabung erforderlich ist. Anderseits aber ist das musikalische Ohr eine Veranlagung, die zwar bei weitem nicht so verbreitet wie die Freude an Musik, aber dennoch für die Erfassung ihres ästhetischen, also künstlerischen Wertes, Voraussetzung ist. Die Ursache der überragenden Popularität gerade der Musik, zu. deren tieferem Verständnis also eine nicht allgemein vorhandene, besondere Befähigung gehört, muß somit auf anderem Gebiete liegen. Die Freude an ihr muß in Lustgefühlen wurzeln, die nicht aus verfeinerter ästhetischer, sondern nur aus ganz primitiver, und daher allen Menschen gemeinsamer, triebhafter Instinktbefriedigung entstehen können.
Wir werden der Beantwortung dieser Frage am nächsten kommen, wenn wir von der Tatsache ausgehen, daß im Brennpunkt unseres Handelns das Triebleben steht. Dieses wirkt stets in der Richtung, die unseren Interessen voraussichtlich kontinuierlich nützt. «Voraussichtlich» deshalb, weil wir dort, wo unsere Handlungsweise in Konflikt mit der eines anderen oder einer Gruppe anderer gerät, letztere in unser Kalkül mit einbeziehen und unser Verhalten danach einrichten; und zwar kann dieses Voraussehen bewußt intellektuell oder instinktmäßig und unbewußt erfolgen. «Kontinuierlich» aber deshalb, weil unser Intellekt das letzte Ziel — unseren endlichen Nutzen — stets im Auge behält, das wellenartige Auf und Ab auf dem Wege zum Erfolge mit in Kauf nimmt, um das Ziel zu erreichen, und somit Einzelinteressen zugunsten des Endzweckes zu opfern bereit ist. So wird der Selbsterhaltungstrieb im Falle eines Konflikts unter Umständen den Kampf meiden und die Flucht als Auskunftsmittel wählen. Oder beide Parteien würden, bei gleicher Stärke und voraussichtlicher Sieglosigkeit, einzelne Wünsche aufgeben und ein Kompromiß