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Leopold von Ranke sagt einmal von den Parteien: Wäre es möglich, sie durch eine geistige Anatomie bis in ihre geheimsten Bestandteile zu zerlegen, so würde man zuletzt auf ein irrationales Element stoßen. 〈S. W. Bd. 4950, S. 194〉. Dieses Wort, das mit demselben Recht wie auf das politische Leben überhaupt Geltung beanspruchen darf, klingt bei der Verfeinerung des psychologischen Denkens in den letzten Jahrzehnten, heute fast wie eine Binsenwahrheit. Da jedoch anderseits die systematische Psychologie an dieser Verfeinerung fast unschuldig ist, ist es nicht zu verwundern, daß eine planmäßige »Zerlegung« des politischen Lebens »in seine geheimsten Bestandteile« wiederum erst durch die so junge Wissenschaft der Psychoanalyse möglich geworden ist, die eben nichts anderes ist als die «geistige Anatomie», von der Ranke wie von einem frommen Wunsche spricht.
Die Erkenntnis aber, die unsere Methode für so viele Lebensgebiete, darunter auch für die Politik, zu erschließen vermochte, sind durch die mitteleuropäische Revolution einem wahren experimentum crucis unterworfen worden und wir dürfen heute schon sagen, daß hier die Wirklichkeit der Theorie in keinem Punkte Unrecht gegeben hat.
Höchst eindrucksvoll ist der Beweis, den dafür indirekt die Broschüre Federns bringt, die zwar zunächst für ein Laienpublikum berechnet ist, aber auch dem Psychoanalytiker manches zu sagen hat; zumal da die Bedeutung der Vater-Imago für den Zusammenhang der Gemeinschaff bisher außer in Freuds »Totem und Tabu« 〈4. Stück〉 nur mehr oder weniger kursorisch oder innerhalb andersartiger Zusammenhänge abgehandelt worden war1. In diesem Sinne erscheint mir besonders wertvoll die Aufdeckung der engen Beziehung, die zwischen der Ablösung von der monarchischen Autorität und der werbenden Kraft des Rätesystems besteht, in dem der Verfasser eine unter analog psychischen Bedingungen zustande gekommene Wiederbeiebung der Brüdergesellschaft erblickt, wie sie sich nach Freud zwecks Tötung des Vaters der Urhorde zu