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Nicht die Unzahl treffender Einzelbeobachtungen, die dieses Werk enthält, kann Gegenstand dieser Besprechung sein. Denn diese erschließen sich ja doch nur dem, der Blühers Werk vom Anfang bis zum Ende liest. Das möchte ich aber von möglichst vielen wünschen. Denn aus Blühers Buch ist auch zu lernen, wie man von Dingen sprechen soll, denen gegenüber unsere Begriffe immer wieder als gewaltsame Verzerrungen von Wesenheiten erscheinen, die nun einmal nie mit der bloßen Vernunft, auf dem Wege des Logos, sondern immer auch mit dem Eros erfaßt werden müssen. 〈Vgl. das Kapitel »Eros und Logos« im ersten Band.〉 Die Einheit dieser beiden Mächte erst, die Blüher in der Sprache des Dichters verwirklicht findet, fuhrt in das Herz der Dinge, Und ich muß sagen, daß in dieser Hinsicht Blühers »Rolle der Erotik« den stärksten Eindruck eines zugleich sprachgebundenen und durch die Sprache zu sich selbst befreiten, durchaus wirklichkeitsnahen Denkens hinterläßt.
Mit den Vorbehalten, die sich aus diesem Charakter des Werkes ergeben, darf man versuchen, seinen »Grundgedanken« herauszulösen.
Blühers grundsätzliche Stellung kommt zum Ausdruck in seiner Theorie der Inversion, die er als die natürliche im Gegensatz zur pathographischen bezeichnet. Pathographisch ist nach ihm die Theorie der Entwicklungshemmung, der Zwischenstufen und der Inzestflucht, An dem, was Blüher gegen diese Theorien sagt, wird man nicht vorbeigehen können, ohne daß ich mir als nicht ausübender Analytiker ein Urteil über diese Materie anmaßen wollte.