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Über Paulus ist so viel geschrieben und geredet worden, daß es überflüssig scheinen mag, diese Riesengestalt wiederum vorzuführen1. Wenn ich es dennoch wage, den geistesmächtigen Apostel zu besprechen, so geschieht es keineswegs mit dem Anspruch, seinen Entwicklungsgang restlos verständlich zu machen. Allein mir scheint es, daß weder die bisherige Verwertung des religionsgeschichtlichen Materials, wie sie wenigstens vorherrscht, genügt, noch die psychologische Methodik, deren man sich bediente, strengeren Anforderungen standhält. Der letztere Fehler scheint die Unklarheit und Unsicherheit in ersterer Hinsicht verschuldet zu haben; denn wie kann das religionshistorische Problem gelöst werden, solange die Religionspsychologie uns die Gesetze der Religionsbildung vorenthalten hat? Was meine Untersuchungen von allen üblichen unterscheidet, ist hauptsächlich der Umstand, daß ich mich beständig auf religionspsychologische Beobachtungen an lebenden Menschen stütze.
In einem vorbereitenden Teile prüfe ich zunächst die historischen Determinanten, die für Paulus in Betracht kommen, noch ohne Rücksicht auf ihre Kausalbeziehung. Nachdem wir uns sodann über einige psychologische Voraussetzungen verständigten, treten wir an das eigentliche Problem heran.
Paulus ist in erster Linie Jude, »beschnitten am achten Tage, aus dem Volke Israel, aus dem Stamme Benjamin, Hebräer von Hebräern, ein gesetzestreuer Pharisäer, ein eifriger Verfolger der