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Ein gefährlicheres Thema als das verliegende hätte ich mir kaum denken können. Von zwei Seiten mußte sich der Verfasser auf Widerstand gefaßt machen: Diejenigen Theologen, die von der Psychoanalyse nichts wissen wollen und in Neurotikerhaß bekanntlich Erkleckliches leisten, ließen von vornherein ein Lamento furibondo erwarten. Es ist nicht ausgeblieben. Vom vorwurfsvollen Seufzer, der dem bisher hochangesehenen Professor der Theologie an der freien Fakultät Genfs und dem trefflichen Pfarrer von Genthod gilt, bis zur wüsten Schimpferei über dekadentes Psychologisieren eine nicht uninteressante Skala, und selbst die Kirche, der unser Autor angehört, glaubte ihre Freiheit nicht schöner betätigen zu können, als indem sie dem kühnen Forscher eine Rüge erteilte. Allerdings fehlen auch aus theologischen Kreisen nicht die Stimmen wärmster und dankbarster Anerkennung und es ist erfreulich, daß auch aus Laienkreisen mit Bewunderung von dem tapferen Wahrheitszeugen geredet wird. So schreibt mir eine tief religiös empfindende Genferin, die über die Verfolgung des ehrlichen und von reiner Gesinnung getriebenen Mannes betrübt und empört ist, ironisch beginnend und ernst fortfahrend: »Manche Genfer Christen bedauern, daß der Scheiterhaufen Servets ausgelöscht ist und daß Calvin den Ketzer nicht mehr verbrennen kann. Glücklicherweise gibt es neben ihnen auch einige Freunde und etliche Sympathie. Mir ist das Buch wertvoll, es macht die Persönlichkeit Jesu lebendiger und menschlicher, es ist ebensosehr ein Werk des Glaubens wie der Wissenschaft und dabei ausgezeichnet geschrieben«.
Auf der anderen Seite werden manche Psychoanalytiker, wenn sie den Titel lesen, den Kopf schütteln und sich fragen: Wie kann man Jesus zu analysieren unternehmen? Wir besitzen doch nur so wenig authentisches Material, seine Kindheit ist in völliges Dunkel gehüllt, erst im dreißigsten Jahr redet er zu uns und auch aus dieser Zeit werden seine Worte von den verschiedenen Evangelien mit großen Abweichungen ber