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»Immer zerreißet den Kranz des Homer und zählet die Väter
Des vollendeten ewigen Werks!
Hat es doch eine Mutter nur und die Züge der Mutter,
Deine unsterblichen Züge, Natur!«
Allen Lesern der Odyssee unvergeßlich, nimmt die Nausikaaepisode einen Ehrenplatz im reichen Bildersaale homerischer Poesie ein. »Die einzige jungfräuliche Gestalt Homers« 〈R. M. Meyer〉, in Gegensatz gestellt zu dem vielerfahrenen Dulder und Abenteurer, einsam zurückbleibend nach der Abreise des geheimnisvollen Fremdlings, mußte seit jeher auch die Phantasie des nachschaffenden Dichters1 beschäftigen; Sophokles und Goethe sind hier vor allen zu nennen.
Eine eigene zauberische, man möchte sagen, morgendliche Stimmung umspielt den sechsten Gesang der Odyssee; »es ist, als ob hier ein Wunder der Liebe geschehen sollte« 〈Fries〉. Nichts dergleichen geschieht: wenn sich Nausikaa vor der Stadt von Odysseus trennt, bricht die Episode ab; erst am Ende des siebenten Gesanges erscheint eine kurze Abschiedsszene als Fortsetzung.
Dem aufmerksamen Leser wird nicht nur der Umstand auffällig dünken, daß Nausikaa im sechsten Gesang eine unverhältnismäßig große Rolle spielt, um dann fast spurlos zu verschwinden, er wird auch an manchem anderen Widerspruch Anstoß nehmen. Kritiker haben daraus die Folgerung abgeleitet, daß die Nausikaaepisode ein Vorsatzstück zu dem Phäakenabenteuer des Odysseus bildet, das aus einem poetischen Bruchstück unsicherer Herkunft entstanden ist; der frühere, urprüngliche Zusammenhang muß ein anderer gewesen sein als in der Odyssee. Ohne Rücksicht auf die psychologische Motivierung haben dann einige Forscher, von einer vorgefaßten Meinung über die sittlichen Anschauungen einer primitiven