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Was immer der Psychoanalytiker nach der Methode Freuds, sei es bei nervös belasteten Kranken oder in der schöngeistigen Literatur der Neurotiker, entdeckt und feststellt, für alles und jedes findet sich in der Folkloristik eine uralte Bestätigung aus dem Gebiete des Volksglaubens, Volksbrauches und Volksrechtes. Den Völkerglauben erzeugen in seinen Uranfängen die Wahnvorstellungen der Neurotiker oder neurotischer Dichter. Das weitere zum Ausbau des Wahnes zu einer tabuartigen Verpflichtung als einer Richtschnur fürs Leben besorgen diejenigen, die einen greifbaren Vorteil an der Festlegung der mit einem Glauben oder Recht verbundenen Vorteile einer Weltanschauung und gesellschaftlichen Ordnung ziehen. Die Uranfänge sind überall die gleichen, weil sie überall unter den gleichen gegebenen günstigen Bedingungen und Verfassungen entstehen, nur in ihren Ausgestaltungen weichen sie voneinander ab, weil sie von der Kultur oder Macht oder dem Reichtum und der Zeitdauer des Bestandes einer Gruppe abhängen. Die uns in den Staatsreligionen auffallende Mannigfaltigkeit der Erscheinungen der Riten läßt sich darum auf einige wenige Urvorstellungen der Menschheit zwanglos zurückführen, und weil der Vorgang allüberall derselbe ist, hat man folkloristisch für jedes Volk dieselben Nachweise als Belege beizubringen, die aber in ihrer Massenhaftigkeit gewöhnlich den Leser sehr stark ermüden und einem sogar das Studium der Ethnologie zuweilen verleiden könnten.
In vielen Fällen genügen einige wenige Belege aus verschiedenen geographischen Gebieten zur Klarstellung einer Anschauung, doch eben hierin hapert es gewöhnlich, weil weder die Psychoanalytiker ausreichend mit der oft versteckten, ihnen nämlich schwer zugänglichen folkloristischen, noch die Folkloristen und Ethnologen mit der Arbeit der Psychoanalytiker ausreichend vertraut zu sein pflegen.
Als ich selber z. B. im Jahre 1886 meine Monographie: »Sreéa, Glück und Schicksal im Volksglauben der Südslawen« schrieb und veröffentlichte, br