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Die Augen sind ohne Zweifel der Teil des menschlichen Gesichtes, der bei der Allgemeinheit der Menschen das stärkste Interesse auf sich zieht. Obwohl dies für die tägliche Beobachtung evident ist, habe ich eine Enquete unter gebildeten Leuten angestellt, indem ich fragte: »Welcher Teil zieht Sie am Gesicht der Frau am meisten an?« Achtundsechzig Prozent der Antworten gaben den Augen den Vorzug. Es ist zu vermuten, daß unter weniger verfeinerten Menschen dieser Zug noch stärker hervortritt. Zu bemerken ist ferner, daß die Augen auch bei denjenigen Personen, für welche sie nicht den stärksten Reiz bilden, dennoch das ästhetischerotische Interesse auf sich ziehen.
Die Verliebten wie die Dichter haben wohl zu allen Zeiten die Augen zum bevorzugten Gegenstand ihrer Betrachtungen, ihrer Bewunderung und ihrer Lobpreisungen erwählt, auch die verschiedenartigsten Vergleiche und allegorishen Bilder für sie gebraucht. Ich zitiere hier eine Anzahl davon, wie ich sie zufällig gesammelt habe; manche entbehren nicht des psychologischen Interesses. Wir hören von ‚magischen’ Augen, von Augen, deren ‚Gift verzaubert’, die Augen werden ‚göttliche Zisternen’ genannt, sie sind ‚Seen des Wahnsinns und der Verführung’. Sie ‚töten den Willen’, sind ‚Talismane der Vergessenheit’, sie ‚verwirren’ und ‚bannen’, sie ‚strahlen wie der Himmel’, sind ‚unerschöpfliche Quellen des Entzückens’, ‚Fenster der Seele’, ‚Opfer der Liebe’, sie sind ‚brennend’, ‚träumerisch’, ‚tief wie das Meer’ usw.
Manche Menschen sind dem Einflusse der Augen so unterworfen, daß sie in einen Seelenzustand geraten, der einer Ekstase gleichkommt, die verführerische Wirkung des Blickes erreicht zuweilen solch unmäßigen Grad, daß sie ins Pathologische übergeht. Ich beobachtete einen solchen Fall. Wenn der betreffende Mann die Augen von Frauen genau betrachtete, so geriet er oftmals, auch wenn ihm das Gesicht im übrigen nicht gefiel, in einen Erregungszustand, dessen Lust seine Aufmerksamkeit gänzlich absorbierte und ihn von de