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Die Bestätigungen, die den Wahrheiten der Psychoanalyse aus der schönen Literatur erwachsen, haben im Laufe der letzten Jahre immer mehr an Wert verloren, je größere Verbreitung die - oft uneingestandene - Beschäftigung der Künstler mit der Psychoanalyse gefunden hat. Man darf vielleicht gegenwärtig unter den Dichtern dreierlei Typen unterscheiden: der erste schafft auch heute noch völlig naiv1 aus dem Unbewußten, der zweite hält sich zwar beim Produzieren die Psychoanalyse ängstlich vom Leibe - ob mit unbedingtem Erfolge, muß bezweifelt werden -, wird aber seine Kenntnis der Trieblehre bei einer anderen Gelegenheit, z. B. als Kritiker, betätigen, der dritte Typus dichtet sozusagen nach psychoanalytischem Rezept.
Zu der ersten Gattung, den aus dichterischer Intuition gezeugten Kunstwerken, die unbewußt psychoanalytischen Erkenntnissen Gestalt und Leben geben, gehört, wie mir scheint, die Erzählung »Der Sammler« von Viktor Fleischer 〈bei E. P. Tal & Co., 1920〉. Die durch eine ganze Anzahl treffender Beobachtungen und feiner Einzelzüge ausgezeichnete Novelle bildet eine schöne Illustration zu der psychoanalytischen Theorie von der Pathogenese der Paranoia und enthält auch eine wertvolle Schilderung narzißtischer und analerotischer Charakterzüge, deren künstlerische Bewältigung im allgemeinen auf größere Schwierigkeiten stößt als die dichterische Behandlung des Ödipuskomplexes.
Die Charakterstudie »Der Sammler« nimmt sich, ähnlich wie Schnitzlers »Doktor Gräsler - Badearzt« oder Alfred v. Bergers »Hofrat Eysenhardt«, das Problem des Mannes von fünfzig Jahren in einer seiner vielen Gestaltungen zum Gegenstande; denn wenngleich jeder direkte Hinweis auf das Alter des Helden der Erzählung, des pensionierten Hofrates Baumgartner, fehlt, dürfen wir dennoch aus guten Gründen vermuten, daß er sich in jener auch für das Sexualleben des Mannes kritischen Lebenszeit befindet, die nach dem vierten Jahrzehnt einzusetzen pflegt.
Jeder Leser sollte nun, bevor er meinen Ausführungen wei