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Alle Blicke sind heute auf die Kämpfe gerichtet, in denen die durch den Vertrag von Versailles geschaffenen Randstaaten an der Ostgrenze der ehemaligen Zentralmächte für ihre Unabhängigkeit zu Felde ziehen und von deren Ausgang wohl
nicht nur ihr Schicksal, sondern das von ganz Europa bestimmt wird. Unzweifelhaft handelt es sich dabei nicht nur um Gleichgewichtsschwankungen, denen jeder neugeschaffene Staatsorganismus naturgemäß ausgesetzt ist, sondern um tiefgehende Reaktionen des Hasses von Jahrhunderte lang unterdrückten Völkern gegen ihre Tyrannen, die weit über ihr Ziel, die Sicherung der endlich erlangten Freiheit, hinausborden. Die Ostjuden, also die Massen, die wohl ein Hauptferment zu jenen Reaktionsprozessen liefern, lernen wir in dem Buche Horodetzkys mit seiner anschaulichen Schilderung der in diesen. Ländern entstandenen und verbreiteten Sekten der Chassiden von einer ganz besonderen Seite kennen.
Rellgionsgeschichtlich bietet das Werden dieser mystischen Sekten hauptsächlich dadurch Interesse, als sich hier in der Bruttemperatur des Empfindens der geknechteten und unterjochten Kinder Israels, die sehnsüchtig nach einem erlösenden Messias ausschauten, der Entwicklungsprozeß von der Gründung durch einige begeisterte Propheten, durch die Kämpfe mit der Orthodoxie, zur Herrschaft der führenden Zaddikim, die in ihrem verweltlichten Prunk und Wohlleben das Ansehen von Miniaturpäpsten gewannen, in Jahrzehnten vor sich ging, während er bei den Weltreligionen Jahrhunderte beanspruchte.
Psychoanalytisch gewähren die Lehren der Gründer günstiges Material und hübsche Parallelen zur Bestätigung der Thesen, die aus dem Studium christlicher Mystiker gewonnen worden sind, vor allem auch dafür, daß die Schaulust in solchen Spekulationen in zentraler Stellung sich auswirkt.
Bescht, der Begründer des Chassidismus, ein Vollwaise, der vom Gehilfen eines Lehrers sich zum Lehrer, dann zum Pächter, Schächter, Arzt und schließlich zum Propheten wandelt und durch seine beständig