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Die vorliegende Schrift Pfisters über die expressionistische Malerei bedarf einer eingehenden kritischen Besprechung. Sie weist einerseits die Vorzüge auf, die wir an den früheren Schriften des Autors kennen gelernt haben: seine Bereitwilligkeit, die Ursachen und Ziele geistiger Strömungen vorurteilslos zu erforschen, seine warmherzige und verständnisvolle Anteilnahme an allem, was unsere Zeit bewegt, seine Gabe lebendiger Darstellung. Aber es darf nicht verhehlt werden, daß man dieser Eigenschaften in des Autors neuester Arbeit nicht recht froh wird, denn sie weist daneben entschiedene Mängel und Fetler auf, die gerade von psychoanalytischer Seite hervorgehoben werden müssen, weil sie denjenigen, welche mit unserer Wissenschaft nicht vertraut sind, leichter entgehen werden.
Daß der Expressionismus einer Abwendung des Künstlers von der Realität, einer Nachinnenkehrung seiner Libido den Ursprung verdankt, daß er also ein narzißtisches Phänomen darstellt, darin muß dem Autor vollkommen zugestimmt werden. Aber den Nachweis dieses Vorganges sucht er an einem Beobachtungsmaterial zu führen, das in mehrfacher Hinsicht unglücklich gewählt ist. Pfister gibt die fragmentarische Psychoanalyse eines Künstlers der expressionistischen Richtung wieder. Die begleitenden Reproduktionen von Bildern des Künstlers, auf deren Analyse Pfister seine Schlüsse großenteils aufbaut, entsprechen nur zum kleinen Teil den Originalien, da der Analysand diese zumeist wieder an sich genommen hatte, sie sind vielmehr aus dem Gedächtnis des Autors wiederhergestellt 〈S. 25〉. Wir erhalten somit gar keinen verwertbaren Eindruck vom Schaffen des Analysanden und es nützt uns wenig, wenn Pfister uns wiederholt der genialen Künstlerschaft des Mannes versichert.
Schwerer wiegt ein zweiter Einwand. Durch die ganze Schrift hindurch wird von der »Neurose« jenes Künstlers gesprochen. Nun liegt es mir gewiß fern, mich auf diagnostische Spitzfindigkeiten einzulassen. Aber im geschilderten Falle ist es für den Fachm