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Die Entwicklung der Malerei in der neuesten Zeit hat nicht nur auf formalem Gebiet einschneidende Veränderungen mit sich gebracht. Sie hat den Inhalt des Kunstwerkes ebensosehr betroffen. Man beobachtet einerseits die Tendenz, das Gegenständliche überhaupt auszuschalten, anderseits ein Zurückgreifen auf Motive, die in den vorhergegangenen Jahrzehnten an Bedeutung sehr verloren hatten. Wie man sich hinsichtlich der Form auf Vergangenes besinnt, so auch hinsichtlich des Inhalts. Vom Standpunkt der Psychoanalyse haben wir in beiden Vorgängsen eine Regression zum Infantilen zu erkennen.
Hartlaub weist einleitend darauf hin, daß die Kunst aus der Religion entsprungen sei, beide hätten sich aber auf dem weiteren Wege ihrer Entwicklung voneinander entfremdet. Im Expressionismus nähere sich die Kunst gegenwärtig der Religion wieder an, sowohl durch Darstellung des Religiösen als Gefühlsäußerung als durch Bevorzugung der traditionellen christlichen Motive. Wir könnten dem Autor vollkommen zustimmen, wenn er die Herkunft der Kunst aus dem Religiösen weniger absolut behaupten würde. Es geht nicht an, das Erotische und andere Quellen primitiver Kunst beiseite su lassen. Ihm ist aber das Religiöse in einem neuen, höheren, jetzt erst zu ahnenden Sinne auch das Ziel der gegenwärtigen Entwicklung der Kunst.
Die durch reiche Bildbeigaben verdeutlichte Wendung der Malerei zum Religiösen kann hier nicht im einzelnen an Hand der instruktiven und klaren Ausführungen des Verfassers verfolgt werden. Dagegen sei darauf hingewiesen, daß Hartlaub selbst an verschiedenen Stellen seines Werkes auf die psychoanalytischen Anschauungen Bezug nimmt. Natürlich kann dies nur in sehr allgemeiner Form geschehen solange von psychoanalytischer Seite eine umfassende Bearbeitung der neuesten Kunst noch nicht vorliegt. Eine solche wird ihrerseits mir großem Nutzen auf Hartlaubs Ausführungen zurückgreifen.
Abraham.