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Diese Schrift will ein Gutachten sein: Roma locuta, causa finita. Egger will auch ausdrücklich wissenschaftlich ernst genommen werden. »Die wissenschaftliche Beurteilung einer Lehre hat deren Kenntnis zur Voraussetzung. Und zwar ist es von wesentlicher Bedeutung, die zu beurteilende Lehre in ihrer Reinheit, d. h. nicht durch allerlei Zutaten entstellt, kennen zu lernen« 〈S. 5, I.〉. Wir würden also entschiedenen Ernst der Behandlung und Ehrlichkeit gegenüber dem Leser erwarten. Zunächst trifft das letztere nicht zu. Egger, der die Kritik einer Wissenschaft von universellem Interesse unternimmt, hat ihre authentische Literatur nicht gelesen. Die »Traumdeutung« kennt er nicht, schreibt aber gleichwohl ein ganzes Kapitel darüber 〈S. 28, I. ff.〉. Ebenso unbekannt sind ihm die Schriften zur Neurosenlehre. 〈Die »Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie« zitiert er fleißig.〉 Diese Art ist für das ganze Machwerk charakteristisch, Das Wahre an der Psychoanalyse sei uraltes Gut: »In Xenophons Memorabilien finden wir geradezu ein Schulbeispiel einer Psychoanalyse.« Egger ist nie dazu gekommen, Unbewußtes und Ungewußtes zu unterscheiden, er hat aber den Mut zu sagen: »Mit keinem Ausdruck treibt die Psychanalyse so Schindluderei, wie mit den Worten ‚bewußt’ und ‚unbewußt’, ‚was die Psychanalyse Unbewußtes nennt, würde sie viel besser Vergessenes, aus der Erinnerung momentan Verschwundenes nennen. - Denn das Unbewußte kann den Menschen ja nicht beunruhigen, sondern nur das Bewußte. Da gilt das Sprichwort: ‚Was ich nicht weiß, macht mir nicht heiß’.«
Äußerst leichtsinnig nimmt es der Verfasser auch mit der beigezogenen Literatur. Er hängt der Psychoanalyse alle möglichen philosophischen Tendenzen an und zitiert dazu A. Mäder, »Heilung und Bildung« etc. Auf Tatbestände und Argumente geht er nicht ein. »Was der Psychanalyse fehlt, das ist die Fundierung auf festen metaphysischen Prinzipien. Das ist eben der Fluch jeder Philosophie 〈!〉, die nicht auf dem Standpunkt des Theismus stellt, daß