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Eine - von Psychoanalyse wenig berührte - ethnographische Arbeit, die den irrigen Vorurteilen über die sittlichen und gesellschaftlichen Zustände der Naturvölker entgegentritt.
Unrichtig und gegen jedes gesunde soziologische Denken verstoßend ist die Anschauung, als ob auf tieferen Stufen ein nur von reinen Ichtrieben bestimmtes Dasein möglich wäre. Der »hoffnungslos egoistische Wilde« existiert nicht, Kinder-, Alten- und Krankentötung sind kein Beweis für Herzenshärte und sie erlauben schon deshalb nur sehr vorsichtige Rückschlüsse auf das Seelenleben, weil es sich da um feste Formen oder Sitten handelt.
Verfasser bespricht zunächst die häusliche Erziehung, die beide Geschlechter gleichmäßig umfaßt, und teilt das Erziehungsgebiet ein in Zucht und Lernen. Die Steinmetzschen enrwicklungsgeschichtlichen Stufen der Verwöhnung, der beginnenden Zucht, der strengen Zucht, der Vernachlässigung erwiesen sich als voreilige Verengungen. Es »steht unzweifelhaft fest, daß das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern gerade auf den tiefsten Stufen ein außerordentlich mildes ist. Über dieser ersten Periode des primitiven Kindes waltet eine unendliche Liebe und Güte. Nirgends eine Spur von einem schroffen Zwangs- oder Willkürverhältnis. Körperliche Strafen sind allgemein verpönt oder kommen höchstens als ultima ratio in Anwendung. Trotzdem ist das Benehmen der Kinder, besonders wenn sie etwas älter werden, überwiegend ein gutes. Sie zeigen ein ruhiges, verträgliches Wesen; sie sind freundlich, anbänglich«. Als Ursachen dieser Erscheinungen nimmt Verfasser an: Größere Instinktnähe; auf den primitiven Stufen genüge schon der angeborene Unterordnungsinstinkt und das ebenfalls triebhafte Nachahmungsbedürfnis, um das jugendliche Individuum hinreichend zu disziplinieren. Ferner falle zufolge der früher eintretenden Reife das Flegelalter bei der häuslichen Periode nicht mehr in Betracht. Es fehle auch die Schule mit ihrem Geiste des Wettbewerbs. Es bestehe eine viel größere Einheit des Vorbi