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Es ist zweifelhaft, ob irgend ein Herrscher der Welt durch sein Eheleben solches Interesse erregt und solche Berühmtheit erlangt hat wie Heinrich VIII. Auf die Allgemeinheit üben wohl die Beziehungen Heinrichs zu seinen Frauen eine viel größere Anziehungskraft aus als alle anderen Ereignisse seiner langen und bedeutungsvollen Regierung, aber auch für den Historiker von Beruf muß die Beschäftigung mit den sechs Ehen des Königs von Interesse sein. Sind sie doch auf das engste mit äußerst wichtigen Vorgängen verknüpft, die sich in einer für die kulturelle und politisdie Entwicklung Europas besonders kritischen Zeit abspielten. Der Versuch einer neuen Behandlung dieses Themas — auch wenn er nur kurz und summarisch ausfällt — bedarf daher keiner Entschuldigung, wenn dadurch neues Licht auf die Ereignisse fällt, von denen diese Seite der Geschichte zu berichten weiß1.
Ein bekannter Historiker hat bei seinen Bemühungen, die lange Reihe von Heinrichs ehelichen Erlebnissen dem Verständnis näher zu bringen, sehr richtig bemerkt: »Ein einzelnes Mißgeschick dieser Art läßt sich durch Zufall oder moralische Schwäche erklären, für eine solche Kette von Unglücksfällen aber ist nur eine gemeinsame Ursache denkbar, die gefunden werden kann und muß«2. Der Schreiber dieser Zeilen nun hat den Eindruck, als sei diese gemeinsame Ursache in gewissen, immer wiederkehrenden Zügen im Charakter und Geistesleben Heinridis zu finden, deren genaues Verständnis für den Psychologen nicht minder wichtig ist als für len Historiker. Der vorliegende kurze Aufsatz wurde in der Hoffnung geschrieben, die bedeutsamsten dieser Züge ihrer Natur nach klarzulegen. Die Schlußfolgerungen, zu denen er gelangt, sollen nur als Versuch und mit all der Vorsicht werden, zu der sich der Verfasser im Bewußtsein seiner mangelhaften historischen Kenntnis und Schulung für verpflichtet hält. Die geschichtlichen Dokumente, die sich mit der Regierung Heinrichs VIII. befassen, sind ungemein