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In »Massenpsychologie und Ich-Analyse« stellt Freud zwei Arten der Bindung des Ichs an fremdmenschliche Kraftzentren einander gegenüber. Schwebt dem guten Christen das Ziel vor, dem Begründer der Kirche gleich zu werden, in ihm seelisch aufzugehen, ja zumindest sinnbildlich auch seinen Leib mit dem eigenen zu vereinen, so sieht ein guter Soldat in seinem Heerführer vielmehr das unerreichbare Ideal, die hehre Macht, welcher er zu dienen und als Werkzeug nutze zu sein bestellt ist. Wird jedes Mitglied der Heiligengemeinschaft von dem Erlöser unendlich geliebt, so braucht der Feldherr seine Untergebenen keineswegs zu lieben, er mag ganz narzißtisch eingestellt sein. Sofern man die psychische Organisation von Heer und Kirche ähnlich vereinfacht betrachtet, verdient also die militärische Gefühlsbindung den Namen Ichidealersetzung, während die kirchlich-religiöse Hingabe als Ichidentifizierung bezeichnet wird.
Um den Zusammenhang dieser seelischen Vorgänge mit sozialen Strukturen und Ideen aufzuzeigen, weisen wir zuerst auf die wirtschaftliche Seite der Kirchen- und der Heeresgemeinschaft hin. Es ist bekannt, daß die Kirche stets einem kommunistischen Hang frönte. Wohl war sie dem Prinzip der Hierarchie vom Beginne an nicht abhold und frühzeitig erwarben ihre Oberhäupter weltliche Macht und weltlichen Reichtum. Allein diese individuellen Sonderstellungen gehören ihren Besitzern lediglich als Vertretern der Kirche und Nutznießern eines ewigen unentbindlichen Fideikommisses an, welches nicht einer Adelsfamilie, sondern einer weltumspannenden Gemeinschaft anvertraut ist. So sehr auch die gütergemeinschaftliche Tendenz der urchristlichen Verbände durch die spätere Betrachtungsweise übertrieben wurde, so stellen doch die geistlichen Orden, in