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Die zweite Auflage dieses für die psychoanalytische Mythenforschung grundlegenden Buches zeigt klar den Fortschritt, den die psychoanalytische Erkenntnis der Mythenbildung in der Zwischenzeit gemacht hat. Die Grundauffassung des Rankschen Buches ist unverändert geblieben, aber manche Motive, damals noch wenig verstanden, erhielten durch neue Forschungen eine analytische Aufklärung. Dazu gehört z. B. das Motiv der »hilfreichen Tiere«; das urgeschichtliche und kollektive Moment wird in der neuen Auflage mehr in den Vordergrund gerückt, die realen und kulturellen Faktoren mehr berücksichtigt, aber auch volkskundliches Material neben dem rein mythologischen in großem Ausmaße herangezogen. Auch die psychologische Mythendeutung wurde durch die Aufklärung der »Geburtsträume«, des Kinderglaubens der Erwachsenen und der antiken Symbolik sowie durch die Deutung der Sintflutsage auf eine breitere Basis gesetzt. Zur Ergänzung des Familienromans wird die Rettungsphantasie des individuellen Seelenlebens herangezogen. Das eigentliche Material der Heldenmythen hat vielfache Zusätze erfahren.
Diese Veränderungen, welche die neue Auflage aufweist, bedeuten gewiß eine außerordentliche Bereicherung des Beweismaterials, das Rank beibringt, sie sprengen aber den Rahmen der Arbeit, indem sie das ursprünglich einheitliche, durchgängige Motiv von der Geburt des Helden stellenweise überdecken. Die Arbeit drängt so in eine Richtung, deren Endresultat die analytische Deutung der typischen Züge der Geburt, des Kampfes und Unterganges des Helden überhaupt wäre; mit einem Worte: »ein Heldenleben«. Der wissenschaftliche Gewinn, der sich aus solcher Fortführung und Erweiterung des ursprünglichen Themas ergibt, ist ein außerordentlich großer, aber es muß festgestellt werden, daß die Kontinuität und die eindrucksvolle Geschlossenheit der Rankschen Untersuchung darunter leidet. Es ist nicht möglich, in so gedrängter Form das große Material zu bewältigen, vielleicht würde es sich in einer neuen Auflage