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Meillet, Professor am Collège de France und Studienleiter an der Ecole des Hautes-Etudes, ist einer der bedeutendsten Linguisten. Er hat sich durch zahlreiche Arbeiten über die indo-europäischen Sprachen und insbesondere durch ausgezeichnete Untersuchungen über die armenische Sprache bekannt gemacht. Die Werke Professor Meillets sind für Laien, sowie für Linguisten eine anziehende Lektüre. Die Klarheit seiner Darlegungen, die mit großer Gelehrsamkeit verbunden ist, fesseln andauernd die Aufmerksamkeit. Das Buch, das er uns jetzt liefert, ist eine Sammlung von Vorträgen und Artikeln aus den letzten Jahren. Viele Teile des Buches sind für den Psychoanalytiker von großem Interesse, unter ihnen das Kapitel mit der Überschrift: »Wie die Wörter die Bedeutung wechseln.« Man findet darin viele Beispiele von neuen Wörtern, welche geschaffen wurden, um solche zu ersetzen, die aus gesellschaftlicher Schicklichkeit verworfen wurden. Dies sind gewissermaßen Beispiele von kollektiver Verdrängung. Es ist interessant, den Bedeutungswandel eines Wortes von einer Generation zur anderen zu verfolgen. So wurde das Wort »saoûl«, das ursprünglich im Sinne von »rassasié« 〈gesättigt〉 gebraucht wurde, später ein Euphemismus von »ivre«. Aber bald herrschte dieser zweite Sinn vor und das Wort »saoûl«, das das Wort »ivre« 〈betrunken〉 abschwächen sollte, wurde sein Synonym. Diese Worte, welche die gesellschaftliche Anständigkeit tabu machte, führen oft zur Erschaffung von Neologismen; so vermeiden die Frauen in einem bestimmten serbischen Dialekt den Eigennamen des Stieres »kurjak«, der von den Männern gebraucht wird, weil dieses Wort zu gleicher Zeit den Sinn von Penis hat. Um es zu vermeiden, müssen sie zu Umschreibungen ihre Zuflucht nehmen. In dem Kapitel »Einige Hypothesen über Wortverbote« zitiert Professor Meillet ein ähnliches Beispiel, das sich auf den Bären bezieht. Im selben Kapitel findet man interessante Betrachtungen über das Wort »Auge«. »Man hat beobachtet«, sagt der Autor, »daß