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Die sozialpolitische Literatur hat bis nun Freud übersehen, Der Verfasser macht dafür mit Recht die »materialistische Geschichtsauffassung« verantwortlich, welche viele sozialistischen Theoretiker übertreiben und ruhig erwarten, daß eine Änderung des Produktionsprozesses automatisch auch eine Umwandlung des kulturellen Überbaues 〈Recht, Religion, Kunst, Ethik, Sitte〉 im Sinne des Sozialismus herbeiführen müsse. Der Verfasser verlangt hiegegen eine bewußte Änderung der gesamten Triebrichtung im Sinne des Sozialismus. Als Alfred Adlers Verdienst wird vom Verfasser anerkannt, daß dieser Schüler Freuds im Triebleben das Primäre, Richtunggebende, im Produktionsprozeß das Formgebende erkannt hat. Freud selbst, »der vielen als zweiter, weltumspannender Revolutionär großen Formats erscheint, den viele als denkbar schärfsten Gegner des Marxismus auffassen«, wird als großer, neben Marx unentbehrlicher Mitkämpfer um rücksichtslose Aufklärung dessen, »was ist« im Menschen und in der Gesellschaft begrüßt. Im allgemeinen ist die Lehre Freuds in einer kurzen Übersicht richtig wiedergegeben; einzelne unrichtige Auffassungen veranlassen überflüssige Polemik: so hat Freud selbst eine »völlige Zweispaltung der Seele in Trieb- und Bewußtseinsinhalt« nicht behauptet. Keine Verbesserung der Libidolehre und viel Mißverständnis enthält der Schlußsatz des Kapitels über »Marx und Freud«: »Das Neuartige meiner Synthese … besteht darin, daß ich mich von Freud darin unterscheide, daß ich das Lustprinzip des triebhaften Unterbewußten nicht asozial, sondern sozial auffasse.«
Dagegen ist zu bemerken: Freud hat nie das Lustprinzip auf das Unbewußte eingeschränkt. 〈Krische schwächt, wie viele Halbanhänger, un bewußt zu unterbewußt ab.〉 Das Lustprinzip hat mit dem Gegensatz von sozial und asozial nichts zu tun 〈so wenig etwa die Schwerkraft warm oder kalt ist〉. Die Libido selbst ist beim Menschen ursprünglich autoerotisch und asozial, teils bleibt sie so, teils knüpft sie sich bald an soziale und anti