You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Was die Zeit auch über die historische Persönlichkeit des Gründers des Christentums enthüllen mag — es herrscht unter denen, die vergleichende Religionsforschung getrieben haben, kein Zweifel, daß viele der Glauben, die sich um seine Person ranken, der ursprünglichen Grundlage angefügt und von fremden heidnischen Quellen abgeleitet wurden : der Name christliche Mythologie mag diesen Abweichungen mit Fug und Recht zugesprochen werden. Wie Frazer2 es ausdrückt: „Nichts ist gewisser, als das Sagen wie Unkraut um die großen historischen Figuren der Vergangenheit wuchern.“
Einige der wichtigeren Elemente dieses Sagenkreises sind schon mit Hilfe der psychoanalytischen Methode von Freud3 erforscht worden. Ihm zufolge stellt das Hauptdogma der christlichen Religion — nämlich der Glaube, daß die Menschheit durch den Opfertod Jesus Christus' am Kreuz von ihren Sünden erlöst werden soll — eine Ausarbeitung des primitiven totemistischen Systems dar. Das Wesen dieses Systems sieht er in dem Versuch der Linderung des Schuldgefühls, das aus dem Ödipuskomplex herrührt, nämlich des in Urzeiten befriedigten