You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Seit langem ist uns die Häufigkeit der Dreizahl in allen Produkten der menschlichen Phantasie bekannt. Wir wissen auch, daß ihr verschiedene symbolische Bedeutungen zukommen. Bekannt ist besonders die Bedeutung der „Drei“ als männliches Genitalsymbol, ferner die in ihr enthaltene Anspielung auf die Dreiheit von Vater, Mutter und Kind, Mehrmals ist mir nun in Träumen meiner Analysanden die Dreizahl in einer andern, weniger bekannten Bedeutung begegnet. Ich habe hier nicht etwa die mannigfachen Möglichkeiten einer individuellen Determinierung der Zahlensymbolik im Auge, sondern eine typische, in allgemein menschlichen Verhältnissen begründete.
Es sind drei Körperöffnungen, welche die Aufmerksamkeit des Kindes im stärksten Maße auf sich ziehen, weil sie sowohl der Stoffaufnahme bezw. -abgabe dienen als auch die wichtigsten erogenen Funktionen besitzen: Mund-, Anal- und Urogenitalzone. Sie scheinen mir in den Träumen besonders dann durch die Zahl Drei repräsentiert zu werden, wenn die Aufrichtung des Genitalprimates mißlungen ist und jene drei erogenen Zonen einander den Rang streitig machen. Eine neurotische Patientin, deren Träume mir diese Bedeutung der Dreizahl besonders eindringlich vor Augen geführt haben, wies in ihrem Unbewußten ein Höchstmaß von oral-kannibalischen und analen Wunschphantasien auf.
Es schien mir nun von Interesse zu sein, diese nämliche Bedeutung der Drei etwa auch in Märchen oder Mythen nachweisen zu können, deren weitgehende psychologische Übereinstimmung mit den Individualphantasien die Psychoanalyse uns entschleiert hat. Eine sehr eindrucksvolle Parallele bezüglich jener Bedeutung der Dreizahl bietet nun das Märchen vom „Tischlein deck dich!“.