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In den Bräuchen, die sich besonders im Westdeutschland für den St. Martinstag (11. November) erhalten haben, ist deutlich die ursprüngliche Bedeutung der Feierlichkeiten zu erkennen. Am Vorabend oder am Martinstag selbst ziehen Scharen von Kindern von Haus zu Haus und tragen Lichter in ausgehöhlten Rüben, Gurken und Kürbissen. Besonders Rüben und Gurken sindleicht erkennbare Phallussymbole. Die Lieder, die hierbei gesungen werden, machen sie noch eindeutiger. In der Koblenzer und Andernacher Gegend singt man:
Hei Sante MarteDat war ein braver MannDer schlog sind Frau (seine Frau) met gerteSchlog se met der RohdeDo fink sie an zo blode.
In diesen Versen liegt der Hinweis auf den Phallus (Gerte, Rute) und die durch ihn erfolgende Zerstörung (Defloration). Ein holländisches Lied preist Sinte (heilig) Marten: hog in de Lucht, hog in de wind — das is Sinte Martins kind — und nähert sich damit dem Gebiet der Flugträume, die oft Erektionen verhüllen.
Häufig genug wird in den Liedern der Mittelpunkt der Feier als bedürftiger Empfänger dargestellt. In Flandern und Utrecht singt man:
Stookt vyer (Feuer) mackt vyer — Sinte Marten kommt hier
Met syne bloote armen: Hy sonde hem geerne warmen.