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Von den zehn Geboten verheißt bekanntlich nur das fünfte eine konkrete Belohnung, alle anderen sind einfach als apodiktische Befehle hingestellt, oder sprechen im allgemeinen von der Absicht Jahwes zu strafen und zu belohnen. Der Wortlaut dieses Gebotes findet sich an zwei Stellen des überlieferten Bibeltextes. Zunächst im Exodus (XX. 12.), wo es Moses, vom Sinai herabsteigend. unter den anderen Geboten dem Volke verkündet: „Halte deinen Vater und deine Mutter in Ehren, damit du lange lebest auf dem Boden, den dir Jahwe, dein Gott, zu eigen geben wird1.“ Dann wird es ebenfalls von Moses wiederholt (Deuteronomium V. 16): „Halte deinen Vater und deine Mutter in Ehren, wie dir Jahwe, dein Gott befohlen hat, damit du lange lebest und es dir wohl gehe auf dem Boden, den dir Jahwe, dein Gott zu eigen geben wird2.“ Die beiden Versionen gehen auf verschiedene Quellen zurück; wahrscheinlich ist die erste die ältere, — sie weichen übrigens nur unwesentlich voneinander ab.
Was soll nun die Aussicht auf langes Leben bedeuten? Wir meinen, diese Prämie verrät den geheimen Sinn des Gebotes, wenn man sie nur in die Todesdrohung zurückverwandelt, aus der sie vermutlich im Laufe der Zeiten hervorging. Dann bietet es keine Schwierigkeit mehr, dem ganzen Gebote seine ursprüngliche Fassung wiederzugeben, die etwa so lauten konnte: Achte das Vorrecht des Vaters, indem du die Mutter meidest, ansonsten der Vater dich tötet.
Wenn unsere Vermutung das Richtige trifft, dann ist die Entstellung des Textes zweifellos als das Ergebnis der fortschreitenden sekulären Verdrängung anzusehen. Sie verbarg den eigentlichen Sinn des Gebotes, indem sie dessen