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Über Religion und speziell das Christentum ist bis heute bereits eine recht ansehnliche psychoanalytische Literatur entstanden, welche diese Materie von den verschiedensten Gesichtspunkten aus behandelt und dabei mannigfaltigste Beziehungen aufdecken konnte zwischen Religion — Mythus — Traum — Triebleben — Neurose. Verfasser dieses Schriftchens, der die Beziehungen zwischen Psychoanalyse, Neurose und Christentum mehr vom Standpunkte des Psychotherapeuten betrachten will, läßt die eben erwähnten psychoanalytischen Ergebnisse ziemlich unberücksichtigt. So ergibt sich ein eigentümlicher Zwiespalt: Während er sich einerseits bemüht, die Neurose tiefenpsychologisch zu erklären, verfällt er anderseits bei Besprechung des Einflusses des Christentums ganz in die populäre, tagespsychologische Betrachtungsweise. So resultieren zwei verschiedene Standpunkte, von denen aus die meisten Beziehungen zwischen Psychoanalyse und Christentum gar nicht gefunden werden können. Hier hätte Verfasser unter anderen in den Arbeiten Pfisters, die ihm offenbar zum Teil bekannt sind, bedeutend tiefer schöpfen können und vor allem nichts übersehen sollen. Überhaupt begegnen wir beim Durchlesen dieses Büchleins auf Schritt und Tritt Stellen, welche uns zeigen, daß Verfasser wohl einiges über Psychoanalyse gelesen, sich aber das meiste nicht genügend zu eigen gemacht hat. Darauf soll in der folgenden kurzen Inhaltsangabe besonders hingewiesen werden.
Von vornherein vertritt Verfasser die irreleitende und falsche Ansicht, daß die Psychoanalyse immer ein „geschlechtliches Moment“ als Ursache der Neurose annehme, eine Anschauung, die nun schon so oft richtig gestellt werden mußte, daß sie hier keiner weiteren Widerlegung bedarf. Trotz dieser unrichtigen Voraussetzung gelangt Verfasser scheinbar doch zur Anerkennung des