You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In diesem Aufsatz führt der uns aus seinen in Imago VII veröffentlichten Studien bekannte Verfasser aus, wie durch die Gesellschaft unsere Handlungen, ja sogar unser Seelenleben stark eingeschränkt werden; die Zivilisation hat einen negativistischen Charakter. Der Mensch muß vieles verdrängen. Er kann jedoch
keine Gefühle beseitigen oder vergessen; daher bleibt in jedem Menschen der Urmensch lebendig.
Zwischen den verdrängten Wunschregungen, welche immer danach streben, sich wieder des bewußten Lebens zu bemächtigen, und der Zensur, welche Zivilisation und Gesellschaft auferlegen, entsteht im Individuum ein Kampf, ein Konflikt. Dieser Kampf findet zwar im Nicht-Bewußten statt, hat jedoch einen großen Einfluß auf das ganze Seelenleben und erschüttert es tief.
Der Mensch versucht sich diesem Konflikt zu entziehen, indem er sein Seelenleben objektiviert; besonders die als böse und sündhaft betrachteten Gefühle und Gedanken. Bei den Primitiven werden diese Gefühle projiziert in ein Heer von Geistern und Dämonen, welche in die umgebenden Tiere, Pflanzen und leblosen Gegenstände verlegt werden. Das ist der Animismus. — Der Animist ist also für diese Gedanken nicht verantwortlich; er anerkennt keinen freien Willen, hat daher auch kein Schuldbewußtsein. Daher ist er auch Fatalist.
Verf. meint, der Animismus sei im Grunde die Wurzel jedes Glaubens; er sei das Wesentliche jedes religiösen Gefühls. Das Höhere einer Religion sei eine Hinzufügung von Ethik zu diesem primitiven Animismus. Der Sündenbock der Juden sei z. B. ein rein animistisches Symbol. Und aus diesem Sündenbock sei der Teufel der Christen entstanden, der dann auch noch Bocksbeine und Hörner besitzt. Unsere abendländische Gesellschaft sei ganz durchtränkt vom Animismus, aber er wird nicht erkannt. Vom Orientalen wird er erkannt und ist ihm eine Reinigungsprozedur seiner durch die Verdrängung mit Konflikten beladenen Seele. Daher sei der Orientale eigentlich glücklicher als wir.
Im Grunde seines Herzens sei jeder Me