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Meine Damen und Herren! Ich sage absichtlich Erziehung in Besserungsanstalten, obwohl ich weiß, daß der offizielle Terminus Zwangserziehung heißt. Mich veranlassen dazu zwei Überlegungen. Erstens könnte das Wort Zwangserziehung leicht zu der Meinung verleiten, es handle sich um eine Erziehungsform, die dem zu Erziehenden aufgezwungen wird, da ja von den Besserungsanstalten soviel Zwang bekannt ist. Zwangserziehung ist aber eine Erziehung gegen den Willen des zur Erziehung Verpflichteten. Zweitens erscheint mir dadurch das Thema gegen die offene Jugendfürsorge und die in der freien Jugendbewegung versuchten Erziehungsformen schärfer abgegrenzt.
Wenn auch zweifellos innige und tiefe Beziehungen zwischen der Erziehung des normalen und des dissozialen Kindes bestehen, sind wir in den Besserungsanstalten noch lange nicht so weit, aus unserer Erziehungsarbeit mit Sicherheit Schlüsse auf die Erziehung des normalen Kindes ziehen zu können. So wie wir unter unsern Zöglingen Grenzfälle und fließende Übergänge zur Neurose und Psychose finden und uns daher im Grenzgebiete mit der Psychiatrie berühren, stoßen wir auch auf Grenzfälle und fließende Übergänge zum normalen Kinde und berühren uns dadurch in unserer Arbeit mit der offenen Jugendfürsorge