You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die kleine Begebenheit, über die ich im folgenden berichte, ist nicht von mir selbst beobachtet worden. Die Mutter des Kindes, Frau Hilda Sissermann, hat sie mir mitgeteilt und zur Veröffentlichung überlassen. Sie bürgt auch für die Korrektheit der Beobachtung. Frau Sissermann berichtet nun wie folgt:
Sie lebte zur Zeit des Vorfalls mit ihren Kindern in Tula, in einem Hause, in dessen Hof sich ein tiefer Schöpfbrunnen befand. Sie hatte allen Kindern wiederholt verboten, sich dem Brunnen allein zu nähern oder auch nur in seiner Umgebung zu spielen, und hatte ihnen zur Abschreckung die Gefahr des Hineinstürzens lebhaft geschildert. Eines Tages stand sie zufällig mit einem der Kinder, einem Knaben von 2¼ Jahren in der Nähe des Brunnens, als sich beim Schöpfen ein voller Eimer von der Kette löste und in den Brunnen stürzte. Dem Kleinen machte dieses Erlebnis sichtlich einen starken Eindruck. Er sprach darüber — so weit er das Sprechen überhaupt beherrschte —, folgendes: „Eimer war unartig, Eimer ist in Brunnen gefallen;“ im aufgeregten Weiterreden machte er aus dem Eimer ein Kind und schließlich wurde er selber dieses Kind. Als die Mutter ihm, wieder ins Haus zurückgekehrt, sein Jäckchen ausziehen wollte, begann er plötzlich zu schreien und zu klagen, rief, der Arm tue ihm weh, man dürfe ihn nicht anrühren, er habe ihn beim Sturz in den Brunnen „zerbrochen“. Die Mutter war überzeugt, daß es sich nur um eine Phantasie handeln könne, versuchte erst gütlich, dann mit Strenge ihren Willen durchzusetzen, aber ohne Erfolg. Schließlich erschreckte sie der Anblick des Armes, den das Kind krampfhaft gebogen hielt, so daß das Babyfett auf allen Seiten herausquoll und ihm ein geschwollenes Aussehen gab. Sie begann zu zweifeln, ob sie ihn nicht wirklich beim Führen gezerrt oder verstaucht haben könnte und ließ den Arzt rufen. Dieser, ein guter, sehr erfahrener Kinderarzt, meinte, ein Bruch ließe sich nicht feststellen, vermutete eine jedenfalls sehr schmerzhafte Zerrung und verordne