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Der vorliegende Aufsatz referiert in skizzenhafter Form den Schlußvortrag zur psychoanalytischen Tagung, welche die Schule der Weisheit vom 5. bis 7. März 1923 veranstaltete. Es ist gewiß erfreulich, wenn der Gründer und Führer dieser Philosophenschule meint, er wolle die Ergebnisse der Psychoanalyse „durch richtigere Einstellung in den Zusammenhang des Geistesfortschrittes für das Leben fruchtbarer machen, als sie es bisher gewesen ist“. Keyserling wirft die Frage auf, wie Psychoanalyse als Mittel zur Selbstvervollkommnung zu werten sei. Er glaubt, daß sie in einem weiten Ausmaße gerade den wertvolleren Menschen helfen könne. Es gebe freilich Grenzen einer fruchtbaren und förderlichen Analyse, er meint, man dürfe in der Analyse nicht so weit gehen, solche Spannungen zu lösen, die geradezu schöpferisch sind. Es sei „äußerst fraglich, ob ein Beethoven, ein Hebbel, ein Nietzsche, von einem Rosseau, einem Strindberg zu schweigen, gerade den Sinn ihres Lebens hätten verwirklichen können, wenn man ihnen ihre Komplexe weganalysiert hätte“. Wir wollen von der Unangemessenheit dieses letzten Ausdruckes absehen, aber glauben, das müsse eine geringe schöpferische Kraft, eine recht fragwürdige Produktivität sein, die durch die Analyse verloren geht. „Die war's nicht, der's geschah.“ Die Analyse hat gewiß bestimmte Grenzen, innerhalb derer sie sich bescheiden muß, diese aber sind es nicht. Bedauerlicherweise zeigt der Verfasser des „Reisetagebuches eines Philosophen“ im weiteren Verlaufe solche Mißverständnisse in bezug auf die Analyse, daß wir vermuten müssen, er habe die Kenntnis von ihr nicht aus der richtigen Quelle geschöpft. So glaubt er, es hänge „unmittelbar von der Fähigkeit des Analysators, Zauberformeln zu erfinden, ab, ob die Analyse zur Fort- oder Rückbildung des Seelenkörpers führt“. In der reinen Thatsachenerkenntnis führe Freuds Theorie am weitesten, Jungs Theorie werde dem philosophischen „Sinn“ am gerechtesten, aber die Adlersche Lehre stehe im Sinne möglicher