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Der Verfasser hat sein Buch der Mutter gewidmet, damit sagt er, daß er das beste gibt, was er zu geben hat. Er spricht ohne eine für den Nichtmediziner schwer verständliche Terminologie über seelische Störungen im Leben Normaler. Zahlreiche Beispiele aus der Literatur und aus seiner ärztlichen Praxis veranschaulichen seine Theorie vom seelischen Gleichgewicht. Wir werden bekannt gemacht mit Veränderungen der Psyche, die ihren Grund in körperlichen Defekten haben; dann werden die Entwicklungskonflikte (Erziehung, Milieu) beleuchtet. Hierauf wird die Nervosität besprochen, es wird uns gezeigt, wie gewisse Menschen am Geiste oder Geistmangel der Zeit leiden, der Verfasser weist hin auf die Notwendigkeit einer wirtschaftlichen und geistigen Umwandlung. Schließlich fordert er für die seelische Gesundheit, daß der Mensch „sachlich und organisch“ lebe, in dem Sinne, daß er die Dinge dieser Welt „objektiv“ betrachte, sich von krankmachenden Bindungen an Vergangenheit und Zukunft befreie, über die Eigenheiten seiner Natur und Anlagen hinauszuwachsen trachte und sich den großen Zusammenhängen willig einfüge.
Die meisten seiner Einsichten in das Wesen der Seele verdankt der Verfasser den Entdeckungen Freuds, den er aber nirgends erwähnt, wohl aus schwächlicher Konzession an gewisse Leserkreise. Immerhin steigt er nicht so in die Tiefen, wie wir es aus den Arbeiten der Freudschen Schule erwarten, und es machen sich in den Vorträgen Annäherungen an Adler und Jung geltend (Organminderwertigkeitslehre und prospektive Tendenz). Das Buch erweckt den Anschein, als ob sexuelle Konflikte zum geringsten Teile die Schuld hätten an seelischen Fehlentwicklungen, oder daß andere Ursachen wenigstens ebenso häufig die Grundlage zu neurotischen Erkrankungen und wenigstens von der Bedeutung wären, wie die Sexualität (im psychoanalytischen Sinne).