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In meinem Aufsatz „Zum Werden des Romandichters“ (Imago, I. Jahrgang, ) konnte ich am Beispiel des Romanciers Jakob Wassermann die von Freud festgestellte Bedeutung kindlichen Tagträumens als Vorstufe epischen Dichtens bestätigen. In seinem viel Autobiographisches enthaltenden Büchlein „Mein Weg als Deutscher und Jude“ berichtet dieser Dichter in überaus charakteristischer Weise von seinem intensiven jugendlichen Tagträumen, das fast die Form eines Doppelbewußtseins annahm. Es heißt dort:
„Ich war sehr naiv in meiner Abhängigkeit von Traum und Vision. Vision darf ich es wohl nennen, da sich mir unerlebte Zustände, unwahrnehmbare Dinge und Figuren in Greifbarkeit zeigten. Im Alter zwischen zehn und zwanzig Jahren lebte ich in beständigem Rausch, in einer Fernheit oft, die den Mit-mirgehenden und -seienden bisweilen nur eine empfindungslose Hülle ließ. Es ist mir später berichtet worden, daß man mich anschreien mußte, um mich als Wachenden zu wecken. Ich hatte Anfälle von Verzückung, von wilder, stiller Verlorenheit, und in der Regel war die Abtrennung so gewaltsam und jäh, daß die Verbindungen rissen, und daß ich wie gespalten blieb, auch ohne Wissen, was dort mit mir gesehen war. In beiden Sphären lebte ich mit gespannter Aufmerksamkeit, wie überhaupt Aufmerksamkeit ein Grundzug meines Wesens ist, aber es waren keine Brücken da; ich konnte hier völlig nüchtern, dort völlig außer mir sein, auch umgekehrt, und es fehlte dabei alle Mitteilung, alle Botschaft. Das erhielt mich in einer außerordentlichen, mich quälenden und erregenden, für die Menschenum mich meist unverständlichen Spannung. Staunen und Verzweiflung waren die Gemütsbewegungen, die mich vornehmlich beherrschten; Staunen über Gesehenes, Geschautes, Empfundenes; Verzweiflung darüber, daß es nicht mitteilbar war. Vermutlich war meine Verfassung die: