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Daß ein so groß angelegtes, kostspieliges Werk schon nach Jahresfrist eine Neuauflage erlebt, ist ein erfreuliches Zeichen in dunkler Zeit. Verfasser und Verleger haben diese Auszeichnung reichlich verdient. Die wissenschaftliche Leistung des Verfassers flößt durchwegs Achtung ein, wenn sie auch darauf verzichtet, in die Tiefe zu dringen, und der Verlag hat die Untersuchung einer Ausstattung gewürdigt, wie sie gewöhnlich nur Prachtwerken zuteil wird. Es ist nicht verwunderlich, daß das Buch sich das Interesse nicht nur der Psychologen und Psychiater, sondern auch der Kunstfreunde, ja der gebildeten Welt überhaupt eroberte.
Welch ein Umschwung der Auffassung und Wertung! Bis vor kurzem lag die Bildnerei der Geisteskranken jenseits des tieferen Verständnisses. Mitleidig lächelnd deutete man auf ihre oft so bizarren Gegenstände, ihren Mangel an innerer Folgerichtigkeit, ihre Entfernung von der Wirklichkeit, ihre traumähnliche Verworrenheit, ihre kindlichen Ausdrucksmittel, ihre Rücksichtslosigkeit gegenüber der künstlerischen Überlieferung und anderer Merkmale, die man samt und sonders als Zeichen geistigen Verfalles deutete und der Mißachtung preisgab. Und nun führt Prinzhorn den Nachweis, daß in der angeblich so minderwertigen Produktion der Geisteskranken oft schöpferische Kräfte von hohem Range sich betätigen.
Die von Sigmund Freud begründete Psychoanalyse führte bereits in die Nähe dieser Betrachtungsweise. Liebevoll ging sie dem tieferen Sinne des vom Geisteskranken und Neurotiker geschaffenen scheinbaren Unsinns nach und fand ihn in den oft so grotesk und toll aussehenden Wahnideen, Halluzinationen, Zwangsvorstellungen, neurotischen Körpersymptomen und anderer Kundgebungen des Unbewußten. Wo die alte, materialistisch orientierte Psychopathologie nur Zusammenbruch und Verwüstung gesehen und mit dem Hinweis auf die Entartung der Hirnzellen alles gesagt hatte, was ihr auf dem Herzen lag, suchte die Analyse sorgfältig die verborgenen Züge des unter den schwierigsten V