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Hebbels Dichterpersönlichkeit hat etwas unwiderstehlich Anziehendes für jeden, der das Abseitige und Verborgene im Seelenleben zu erforschen sucht: Die ungewöhnliche psychologische Problemstellung, das Nebeneinander heißer Leidenschaft und eiskalter Logik in seinen Dramen, sein seltsamer Entwicklungsgang und sein hart an das Pathologische streifender Charakter wecken das psychoanalytische Interesse, während ein in ungewöhnlich frühe Jugenderinnerungen zurückgreifendes autobiographisches Fragment der Hoffnung Raum gibt, die Rätsel und Widersprüche durch das von dem Dichter selbst bereitgestellte Material zu lösen.
Von all diesen Möglichkeiten und Voraussetzungen hat S. weitgehenden und erfolgreichen Gebrauch gemacht; es ist ihm gelungen, den Zusammenhang zwischen Dichten und Leben Hebbels oder vielmehr die Zurückführung von beiden auf die unbewußten Kindheitserlebnisse und Impulse prägnant herauszuarbeiten. Daß dabei nichts von jener Gloriole zustande gekommen ist, die sonst die Biographen 11111 das Haupt ihres Helden strahlen lassen, darf man ihm nicht zum Vorwurf machen. Ein schamhaftes Übersehen oder gar ein liebevolles Überschminken menschlicher Schwächen mag jenen erlaubt sein, die für sich oder andere ein ideales Vorbild herzustellen bemüht sind — zur Erkenntnis tieferer seelischer Zusammenhänge ist die Untersuchung und Abwägung unerläßlich, wie sich in Hebbels Charakter Egoismus und unbewußte Lust, neurotisches Schuldgefühl und wirkliches Verschulden, leidenschaftliche Selbstverstrickung und bis zur Rabulistik getriebene Selbstverteidigung miteinander vermengt haben. Die Anerkennung, die dem dichterischen Genius wieder und wieder gezollt wird, der Nachweis der Beziehung gerade zwischen dem Menschlichsten in seinem Seelenleben und dem Erschütterndsten in seiner Kunst geben die volle Rechtfertigung für S.s Verfahren.
Dieses Einverständnis mit Inhalt und Methode der Sadgerschen Untersuchung dehnt sich jedoch nicht auf den Ton aus, in dem sie gehalten ist. Mehr als