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In seiner Schrift „Totem und Tabu“ hat Sigmund Freud mit großem Erfolge einige seltsame Übereinstimmungen im Seelenleben der sogenannten Wilden und dem der Neurotiker dargelegt. Es darf wohl ausgesprochen werden, daß diese Psychoanalyse des Totem und des Tabu bisher das meiste Licht in jene dunklen Gebiete der Völkerkunde geworfen hat. Man hat es aber bislang so hingestellt, als eigneten diese Begriffe in unverwandelter Reinheit nur eben jenen Wilden. Allerdings ist erfolgreich der Versuch gemacht worden, das Dasein des Tabu auch für alle anderen Völker nachzuweisen, es sei nur an J. Ferguson Mc. Lennan erinnert; doch immer stellte man das Gebundensein an Tabuverbote als eine in unvordenklicher Vorzeit durchsehrittene Entwicklungsphase dar und glaubte es in unserer Zeit nur noch in gänzlich verwandelter und veredelter Form etwa in Gestalt des kategorischen Imperativs vorhanden. Um so erstaunter werden wir sein zu sehen, daß wir aus den Schriften der Magier und Alchimisten des Mittelalters ein so völliges und reines Verzeichnis der Tabuvorschriften zusammenstellen können, daß man glauben könnte, in Frazers verdienstvoller Sammlung „The golden bough“ zu lesen. Wir werden dadurch zunächst den Nachweis erbringen, daß die Erscheinungen des Tabu in gleicher Art und Form ein Gemeingut aller Menschen und Zeiten sind, also keine Massenpsyche supponiert zu werden braucht, sowie ferner durch diesen Nachweis die Berechtigung der Freudschen Methode zur Untersuchung dieser Fragen stützen, da ja nun das Tabu auch eine Erscheinung unserer Geschichte und Seelenentwicklung ist, sowie sogar die Okkultisten des Mittelalters selber, wie wir sehen werden, diese Zauhervorschriften in engsten Zusammenhang mit den Geisteskranken bringen. Vor allen Dingen aber hoffen wir, durch