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Die wissenschaftlichen Vertreter der Soziologie bringen den psychoanalytischen Theorien ein steigendes Interesse entgegen. Bei der besonderen Natur der analytischen theoretischen Aufstellungen und der Schwierigkeit der Nachprüfung am ursprünglichen Material für den Nicht-analytiker ist es begreiftlich, daß sich die Aufnahme der analytischen Theorien in der Soziologie nur zögernd und mit vielen Einschränkungen vollzieht. Es spricht aber für den wissenschaftlichen Ernst der Soziologen, daß sie die Bedeutung und den heuristischen Wert der Psychoanalyse für ihre Disziplin — wenn auch nur prinzipiell und mit Reserve — anerkennen und immer wieder den Versuch machen, die Probleme ihrer Wissenschaft von den Gesichtspunkten der Analyse aus zu sehen. Als ein solcher ernstzunehmender Versuch ist die kritische Auseinandersetzung anzusehen, die Vleugels jetzt in der Zeitschrift des Kölner Forschungsinstitutes für Sozialwissenschaften unternimmt. Der Autor beschäftigt sich insbesondere mit den Beiträgen zur Psychologie und Soziologie der Masse, die in Freuds „Totem und Tabu“ und „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ vorliegen. Er lehnt die „befremdende Einschränkung auf das Studium lediglich der bewußten Beziehungen“, wie sie z. B. in der Soziologie Tardes erscheint, ab und betont, daß der Soziologe sich bei der Erklärung der sozialen Produkte der zwischen-menschlichen Beziehungen dankbar der Stützen, die der Psychoanalytiker ihm bietet, bedienen wird. Er hat richtig erkannt, daß Freud in seiner Schrift die bisherige Massenpsychologie nicht umstoßen, sondern vertiefen will. Die Beschreibung der Bindung an den Führer als einer Ich-Idealersetzung erscheint ihm besonders glücklich, sie gebe die nötige psychologische Erklärung für einen schon früher gelegentlich angedeuteten Tatbestand. Er bezweifelt freilich, daß es keine andere Möglichkeiten gibt, aber die Freudsche Erklärung des Wesens der Masse aus der affektiven Bindung sei richtig und fruchtbar. Noch verdienstlicher erscheint ihm