You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Werkchen wurde bereits im Jahre 1896 publiziert und gibt in abgekürzter Form eine Übersicht der Hauptergebnisse der großen kulturgeschichtlichen Arbeiten Le Bons. Es ist meisterhaft geschrieben, mit wenigen Ausnahmen auch gut übersetzt und wird jeden historisch und soziologisch interessierten Leser fesseln. Einseitig und selbstsicher, lehnt der Autor die Tendenzen der Revolution ebenso ab wie die des Sozialismus, mißt überhaupt dem Vernunftgehalt eines Progammes oder einer Einrichtung, für die gekämpft wird, keine Macht bei, sondern findet, daß die Kriege, gleichgültig ans welchem Grunde offiziell geführt, Rassenkriege sind. „Da die das Leben der Völker erfüllenden Streitigkeiten aus Ursachen entstanden sind, die mit der Vernunft nichts zu tun haben, so kann auch kein Fortschritt der Wissenschaft ihre blutige Wildheit mildern. Die Intelligenz nimmt mit der Zunahme des Wissens zu; aber von der Zeit des Höhlenmenschen an sind die Gefühle, Illusionen und Leidenschaften der Menschen unverändert geblieben.“ Nur in geringem Maße von der Intelligenz beeinflußt, werden die Völker vor allem durch ihren Rassencharakter geleitet, d. h. durch die Anhäufung erblich gewordener Eigenschaften, wie Gefühle, Bedürfnisse, Gewohnheiten, Überlieferungen und Ansprüche, die zusammen die wesentlichen Grundbestandteile der Volksseele bilden.“
Der Rassenbegriff unseres Autors hat nichts mit der „reinen“ Rasse vieler Rassetheoretiker zu tun. Seine „Rasse“ ist vorzugsweise psychologischer Art und in gemeinsamen Gefühlsinhalten, Idealen, Glaubenslehren und im Charakter begründet. Die Erblichkeit dieser Charakteristika ist für den Autor ohne jede Diskussion sichere Tatsache. Allerdings müssen bewußte Gedanken erst unbewußt, und dadurch zu Gefühlen werden, um vererbt und ein Teil des Charakters zu werden. Nur durch gemeinsame, gefühlskräftig verankerte Ideale und Ideen wird ein Volk zu einer Tat, zu einer gemeinsamen Kulturschöpfung, zum Siege befähigt. Wir sehen, daß Le Bon ohne Kenntnis Freu