You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der Verfasser dieses Buches, anerkannt durch seine Studien über Handschriftendeutung, Charakterlehre und Ausdruckskunde, von Anhängern gepriesen als wichtigster Schüler Nietzsches und tiefster Denker der Gegenwart, versucht darin, aus den Kulten der Primitiven Erkenntnisse zu gewinnen, die nach seiner Auffassung in schroffen Gegensatz stehen sollen zu denen der Psychoanalyse. Ausgehend vom Eros des Altertums, der sich aus einem Dämon elementarer Naturgewalten in frühester Zeit bis zum Putto der Bukoliker wandelte, bei Platon im Sinne einer weltflüchtigen Metaphysik umgefälscht wurde, definiert Klages den kosmogonischen Eros als einen Zustand der vollkommenen Wollust, nicht notwendig geschlechtlicher Natur, eine Art Ekstase. In dieser befreie sich die durch die Kultur geknechtete Seele vom knechtenden, Gesetze schaffenden Geiste. Das Erwachen der Seele sei Schauung, und zwar werde geschaut die Wirklichkeit der Urbilder. Diese Urbilder sind erscheinende Vergangenheitsseelen. Die Schauung sei die mystische Hochzeit zwischen empfangender Seele und zeugendem Dämon, dargestellt im Kultus durch eine Mahlzeit, wobei dieser Dämon in der Gestalt eines Tieres zerrissen und blutig verschlungen wird. Dieser kosmogonische Eros wäre heute höchstens zwischen zwei Rassebrüdern möglich, die aber durch solch gemeinsames Erlebnis die ganze Kulturmensch-heit von der Pluchmacht des Geistes zu erlösen vermöchten, während die Liebesleidenschaft zwischen zwei Menschen verschiedenen Geschlechts zur Vernichtung der Liebenden führen müsse.
Die kulturfeindliche Vorliebe zu primitiven Zeitaltern und deren sadistisch-orgiastischen Kultbräuchen und visionären Ekstasen, aus denen der Autor seine Darlegungen zu dokumentieren sucht, beweist eine Neigung zur Regression auf prägenitale Organisations stufen, wie sie auch bei mittelalterlichen Mystikern und modernen Sektierern häufig nachweisbar ist.
Wenn wir in den Deduktionen Klages statt Seele Unbewußtes, statt Geist Bewußtsein setzten, so könnten wir,