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Der bekannte Ethnologe Professor C. G. Seligman, Präsident des Royal Anthropological Institute, versucht in einem vor den Mitgliedern dieses Institutes im Jänner 1924 gehaltenen Vortrage gewisse Ergebnisse der analytischen Typen-und Traumpsychologie auf nichteuropäische und primitive Völker anzuwenden und gelangt hiebei zu interessanten Bestätigungen der von der Psychoanalyse behaupteten
Allgemeingültigkeit ihrer Lehren. Seligman beschäftigt sich vorerst mit den von C. G. Jung gefundenen Grundtypen des Extravertierten (Hysterie) und Introvertierten (Dementia praecox), die er als Außerungsformen angeborener qualitativer Unterschiede des Ubw betrachtet. Ich lasse hier die Einwände gegen Jungs Auffassung beiseite, die den Eindruck erweckt, als sche er in der Introversion etwas für die Dementia praecox Charakteristisches, was bei anderen Neurosen nicht auch von wesentlicher Bedeutung wäre. Seligman meint, daß in Europa der Typus der Extravertierten wohl überwiege, doch habe beispielweise in den Künsten der gegensätzliche Typus eine gleichberechtigte Rolle gespielt (das Klassische als Gegenpol des Romantischen). Auch in Negerskulpturen will Seligman eine ähnliche Polarität erkennen. Biologisch bemerkenswert ist die Hypothese, daß die Vererbung des geistigen Grundtypus und der physischen Eigentümlichkeiten sich von dem nämlichen Elternteile herleite; die zwei Typen sollen auch aufeinander eine starke sexuelle Amiehung ausüben. Auf Grund persönlicher Erfahrung des Vortragenden und seiner reichen Literaturkenntnis werden die Wilden im allgemeinen als extravertiert bezeichnet; Häuptlinge, Medizinmänner u. ä. scheinen es infolge ihrer Anlage zu hysterischer Dissoziation in besonderem Maße zu sein. Von nichteuropäischen zivilisierten Völkern sind die Inder und Chinesen introvertiert, die Japaner extravertiert.
Der zweite Teil des Vortrages behandelt die Träume nichteuropäischer Völker, zum Teil auf Grund von Aufzeichnungen durch Missionäre u. a., die Seligman im Jahrgang 1923