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Die vorliegende Schrift enthält einen Versuch, die Ergebnisse der Psychoanalyse auf den symbolischen Gehalt der chinesischen Schrift anzuwenden. Der Verfasser äußert die Meinung, nur ein ausgezeichneter Kenner der chinesischen Schrift und Sprache, der sich auch mit den Lehren der Psychoanalyse vertraut gemacht habe, könne dieser Aufgabe gerecht werden.
Die chinesische Schrift ist auf eine Denkweise begründet, welche uns an die primitiven Formen des menschlichen Denkens erinnert. Die ursprünglichsten chinesischen Schriftzeichen sind Bilder zur Darstellung von Gegenständen. Zur Bezeichnung von abstrakten Wörtern, Adjektiven usw. wurden später „Ideogramme“ erfunden, die meist aus zweien der ursprünglichen Bilder zusammengesetzt sind. Beispielsweise wird das Wort „gut“ dargestellt durch Kombination der Zeichen für „Frau“ und „Kind“; mit anderen Worten: das Verhältnis der Mutter zum Kinde gibt der Vorstellung der Güte ihren Ursprung.
Hier kann auf die weitere Entwicklung der chinesischen Schrift und auf die zahlreichen interessanten Beispiele der Symbolik, welche in den Schriftzeichen enthalten ist, nicht näher eingegangen werden. Für jeden aber, der sich für die Äußerungen des primitiven Denkens interessiert, bildet die vorliegende kleine Mitteilung eine Fundgrube an Material. Übrigens sei bemerkt, daß bereits vor längerer Zeit in der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung von Bohr ein Vortrag gehalten wurde, der zum gleichen Thema wichtige Beiträge brachte und in sehr erfolgreicher Weise die Erfahrungen der Psychoanalyse für das Verständnis der chinesischen Schrift nutzbar machte.
Dr. K. Abraham (Berlin)