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Was die Aufzeichnungen der Marie Bashkirtsefl zu einer reichhaltigen Quellenschrift der Begabungsforschung macht, ist die Preisgabe intimer Einzelheiten — ein reiches Material für psychoanalytische Bearbeitung.
Verständlich wird diese Aufrichtigkeit jedenfalls dann, wenn wir bedenken, was wir ja schon aus der ersten Seite des Tagebuches erfahren und immer wieder bestätigt sehen, daß sie von dem selbst unter Künstlern auffallend starken Narzißmus der Autorin genährt wird. Durch diese rückhaltlose Preisgabe ihrer Lebensschicksale, Gedanken und Wünsche will sie das Interesse des Lesers und somit den so heiß ersehnten Ruhm der Nachwelt für sich sichern und der Narzißmus, welcher all ihre — auch die geringsten — Lebensäußerungen mit Eigenliebe besetzt, läßt ihr alles mit ihrer Person Zusammenhängende interessant und mitteilenswert erscheinen.
Dieser tief wurzelnde Narzißmus, der uns einerseits zu Daten hinsichtlich der Genese der Begabung Marie Bashkirtseffs verhilft, läßt anderseits die Rolle, die diese Begabung in ihrem Leben einnahm, in einem eigentümlichen Lichte erscheinen. Wir wissen, mit welcher Leidenschaftlichkeit Marie Bashkirtsefl von ihrer frühesten Jugend an „nach Größe“ strebte (sie meint sich bis ins dritte Jahr solcher Phantasien zu erinnern), wie sie ihre Träume bald als berühmte Sängerin, bald als Malerin, bald als Schriftstellerin, ja sogar als Weltdame und Mittelpunkt eines politischen Kreises zu verwirklichen meinte; ja es scheint, als ob keine ihrer Hoffnungen vollständig ohne Berechtigung gewesen wäre. Wir können uns manchmal des täuschenden Gefühls nicht erwehren, daß die Malerei für Marie Bashkirtseff nur eines der möglichen Mittel zum Ziele war.