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Seit die Forschungen Steinachs die Tatsache ergeben haben, daß der Prozeß der Verjüngung bzw. des Alterns im Zusammenhang mit Veränderungen der Geschlechtsdrüse steht, erhebt sich mit besonderer Aktualität die Frage, von welchen seelischen Phänomenen das Altern bzw. das Jungbleiben abhängig sein könnte, denn daß auch seelische Vorgänge hier eine Rolle spielen, wird sich nicht von vornherein abweisen lassen. In Anbetracht der außerordentlichen Kompliziertheit des Problems kann es nicht meine Aufgabe sein, es der Lösung zuzuführen, vielmehr werde ich mich damit begnügen müssen, einige Beobachtungen mitzuteilen und vieles zur Diskussion zu stellen.
Da im allgemeinen die Ansicht verbreitet ist, daß ein sorgenloses Leben, Glück und Erfolg die Konservierung der Jugend begünstigen, während Entbehrungen, Unglück und Sorgen das Altern beschleunigen, möchte ich einleitend bemerken, daß dies manchmal richtig sein kann und daß ich keine Veranlassung habe, diese populäre Erklärung abzulehnen, doch glaube ich, daß noch andere Gründe für diese Erscheinung in Betracht kommen, die viel tiefer liegen und daß die populäre Erklärung sehr häufig nicht ausreicht. Da wir nun häufig die Erfahrung machen, daß bedeutende Dichter und Schriftsteller als die besten Kenner des menschlichen Herzens auch die besten Führer bei der Beurteilung von dunklen, psychischen Problemen sind, mochte ich vor allem auf einen Roman eingehen, der das Problem der Jugendlichkeit und der Schönheit zum Gegenstande hat. Es ist dies der Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oskar Wilde, dessen Inhalt ich in folgendem kurz angebe, soweit er auf unser Thema Bezug hat.
Dorian Gray, ein etwa zwanzigjähriger Jüngling von wunderbarer Anmut, wird von seinem Freunde Basil Hallward gemalt. Der Künstler