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Die Auseinandersetzung Max Schelers mit der Freudschen Ontogenetik der Liebesgefühle1 ist aus mehreren Gründen des Beachtens wert. Scheler ist heute, nächst dem Begründer der Richtung: Edmund Husserl, das Haupt der fruchtbaren und einflußreichen „phänomenologischen“ Schule der Philosophie. Dadurch, daß er den methodologischen Grundgedanken seines Meisters aus dem Bereiche der Logik in den der Ethik und der geistig-seelischen Erscheinungen schlechthin verpflanzt hat, erscheint er als origineller Denker ernstester Bedeutung.2 Nun faßt aber die phänomenologische Methode — wie schon aus dem Namen hervorgeht — die Dinge am gerade entgegengesetzten Ende an als die psychoanalytische. Sie will statt einer Metapsychologie eine Präpsychologie gründen, wenn wir selbst eine Bezeichnung prägen dürfen. Statt die Erscheinungen zu erklären, zu entziffern, abzuleiten, auf einen gemeinsamen Nenner zurückzuführen, die Gesetze ihres Vorkommens und Entstehens zu ermitteln, ist sie vielmehr bestrebt, ihr unmittelbares „Wesen“ „einsichtig“ zu erschauen und mit möglichst vollkommener Fixierung und Beschreibung aller ihrer Spielarten sowie ihrer ideellen, statischen „Sinnzusammenhänge“ festzuhalten.3 Diese Methode will letzten Endes nicht die Beherrschbarkeit